Anfang.

Ob es besonders schwer ist den ersten Blogeintrag auf einem neuen Blog zu schreiben? Ich würde glatt behaupten: Ja, das ist es. Zumindest, wenn man solche Ansprüche an sich selbst stellt, wie ich das für gewöhnlich tue.
Der erste Blogeintrag sollte was besonders sein. Er sollte eine neue Ära einleuten. Er sollte einschlagen wie eine Bombe, die Leute fesseln die aus Versehen den Weg gefunden haben und die begeistern und bei Laune halten, die diesen Blog tatsächlich mit Absicht aufgerufen haben. Wenn er dann noch zufällig für die Rettung der Menschheit verantwortlich ist bzw. sein wird, dann… aber nur dann ist er zufriedenstellend.
Deswegen ist es natürlich überaus schwer diesen Eintrag zu schreiben. Ich weiß ja jetzt schon, dass er schlecht sein wird 😉

Anders erging es mir letzte Woche, als ich in mein „neues Leben“ startete und voller Zuversicht ins Leben geschaut habe. Vor genau 7 Tagen war ich davon überzeugt, dass ich nun alles schaffen werde. Dass mein Leben nun bunt und schön und voller Farben und vor allem zufriedenstellend sein wird! Ja! Ich war davon wirklich überzeugt. Und es ist beeindruckend wie gut einem Dinge von der Hand gehen, wenn man davon überzeugt ist dass sie funktionieren werden. Klar, ich war noch nie der Meinung, dass es einfach werden würde. Selbst auf der Welle der Euphorie bin ich nicht der Meinung, dass man nur mit dem Finger schnippen muss und sich alle Teile des Lebens zu einem herrlichen Bild zusammenfügen. Aber, es war da. Das Gefühl, dass es funktionieren kann. Natürlich wesentlich angenehmer als von Anfang an zu wissen, dass dieser Eintrag ein Desaster sein wird.

So bin ich lachend dem Sturm entgegen gerannt und habe mich dann doch tatsächlich gewundert wieso er mich umgeweht hat. Wobei ehrlich gesagt. Ich wundere mich immer noch. Ich war nämlich der Meinung, dass der Großteil dieser Überzeugung reine Bio-Chemie ist. Wer soviel Chemie futtern darf wie ich, der findet sich für gewöhnlich damit ab, dass die im Großen und Ganzen für die aktuelle Stimmung verantwortlich ist. Was nun ehrlich gesagt auch nicht das schlechteste ist. Aber er kam, der Sturm. Und er hieß in meinem Fall nicht Xynthia sondern hat einen ganz komischen Namen. Eine merkwürdige Mischung aus Papa, Oma, Neurologin, purem Hass, absoluter Verständnislosigkeit, Angst, Alpträumen und einer Spur Resignation.
(Aber wahrscheinlich hat auch Xynthia ihre Finger mit im Spiel. Sie ist schließlich an allem Schuld.Warum also nicht auch an meinen Sturmschäden?)

Genauso wie viele Leute gestern verwundert waren, dass die Bahn nicht mehr fuhr… genauso verwundert war ich, dass es nicht einfach alles so klappt wie ich es mir vorgestellt habe. Wie konnten diese Menschen nur erwarten, dass die Deutsche Bahn nicht von diesem Unwetter überrascht sein würde? Wie konnte man nur davon ausgehen, dass nicht wieder ganz Deutschland in Panik gerät, weil da ein klein wenig Wind auf uns zu kommt?
Und vor allem: Wie konnte ich bloß erwarten, dass die Welt nun friedlich und nett zu mir sein würde? Keine Tablette auf diesem Planeten macht die Gesellschaft umgänglicher und friedlicher. Sie gibt uns höchstens das Werkzeug ihr angemessen gegenüber zutreten. Sie macht vielleicht kampffähig. Aber kämpfen muss man trotzdem alleine.

Das Gemeine an meinem persönlichen Sturm ist, dass er dieses Gefühl mitgenommen hatte, dieses Gefühl etwas erreichen zu können und vor allem kämpfen zu können. Diese Zuversicht ist mit jedem Windstoß weiter von mir weggetragen worden und ich hatte es verpasst ihr schnell hinterher zu rennen. Doch nun renne ich. Mit jedem Wort welches ich hier schreibe, wird mir wieder klar was ich erreichen kann und vor allem wie ich es erreichen kann. Ich kann sie spüren und ich kann sie festhalten – die Zuversicht. Ich werde sie sicher immer wieder verlieren. Aber ich kann sie auch wieder einfangen. Und es ist ganz allein meine Arbeit die zählt. Es ist meine Kraft die ich investieren muss. Es wird hart. Es wird anstrengend. Ich werde mich oft zwingen müssen Dinge zu tun, auf die ich gerade mal sowas von gar keine Lust habe. Aber ich werde es tun müssen, weil ich weiß wofür ich es tue. Für ein neues Leben. Für eine schöne, bunte Welt voller Farben und mit ganz viel Zufriedenheit. Für mich selbst.

Nun rettet dieser Blogeintrag wahrscheinlich nicht die Menschheit oder die Welt. Aber er hat mir selbst mal wieder die Augen geöffnet. Wenn das nicht viel wichtiger ist… 😉

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11 thoughts on “Anfang.

  1. „Aller Anfang ist schwer.“ So heißt es, so stimmt es. Aber du wirst das schaffen. Davon gehe ich aus, denn in jedem von uns – auch wenn wir es nicht glauben – steckt eine Kämpfernatur, die Tag für Tag das Beste versucht, aber nicht immer erreicht. Wird aber werden – da spricht die Zuversicht.

    Und gestern Abend war in Essen am Bahnhof das reinste Chaos… ich hoffe doch mal, dass es dir nicht ganz so „schlecht“ ging. Und japp: Ich bin gespannt was aus diesem Blog so wird ;).

    • Ich hab das Chaos auf der Autobahn gesehen… das war ehrlich gesagt höchst befriedigend. Das sind die Momente in denen die Menschheit da draußen mal genauso ins Schwanken gerät wie ich sonst immer 😀
      Und ich hab der Deutschen Bahn eindeutig etwas voraus. Ich bin pünktlich und zuverlässig. Trotz Xynthia oder Privatsturm 😉

      Ach ja, den Orden für den ersten Kommentar bastel ich dir noch 😀

  2. Liebe Svenja, Stürme sind was tolles! Frag mal Achim! Denn „Kyrill“ hat vor ein paar Jahren unser absolut häßliches Carport weggeweht…und heute steht an diesem Platzt ein wunderschönes Gartenhäuschen…Sturm heißt Veränderung, altes wird davon gefegt und macht Platz für Neues…man muss nur genau hinsehen!

  3. Etwas später Kommentar^^ aber lieber spät als nie
    Ich halte dich nach wie vor für eine starke Frau und niemand zwingt dich es alleine zu schaffen
    auch wenn ich weiß das dein Stolz und dein Wunsch niemandem was schuldig zu sein das eh kaum zulassen wirst, bin ich da wenn du mich brauchst
    Und wie Lana schon sagte, wenn der Sturm alles kaputt macht, bau was neues schöneres auf =)

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