Passend.

Da ich ja wie erwähnt die Nacht vor dem Fernseher verbracht habe, bin ich tatsächlich zu dem Vergnügen gekommen Stern TV zu sehen. Das meine ich jetzt durchaus ernst, da ich die Sendung wirklich gerne schaue. Ich kann mich nur viel zu selten dazu aufraffen mich wirklich vor den Fernseher zu setzen. Die meisten Sachen schaue ich einfach am PC – nebenher während ich irgendwas anderes tue. Einfach nur so auf der Couch sitzen kann ich gar nicht. Ich muss immer noch was anderes dazu machen. Aber darum soll es hier gerade gar nicht gehen.
Nun habe ich heute Nacht also die Wiederholung der letzten Folge Stern TV gesehen und die Themen waren einfach zu passend. Von 4 der Themen habe ich mich quasi erschlagen gefühlt. Von dem einen mehr, von dem anderen weniger.

Thema: Hypnose gegen Angststörung
Das betrifft mich jetzt nicht direkt, da ich unter keiner Angststörung leide. Aber viel mehr geht es auch um das Konzept das dahinter steckt. In der Hypnose soll eine Erfahrung gemacht werden, die entgegen der bisherigen (schlechten) Erfahrungen steht und somit die Neuronenverbindungen im Gehirn verändern. Im Grunde also genau das gleiche was einem in der Verhaltenstherapie immer wieder gepredigt wird. „Machen sie neue Erfahrungen, durchbrechen sie ihre bisherigen Verhaltensmuster.“ Der Unterschied ist, dass einem unter Hypnose die Angst fehlt, die einen unter normalen Umständen davon abhalten könnte etwas zu tun.
Ich würde es trotzdem unter keinen Umständen für mich in Erwägung ziehen. Der Gedanke, dass ich die Kontrolle über mich soweit abgebe ist für mich absolut undenkbar. Abgesehen davon hätte ich das (bescheuerte) Gefühl es dann nicht selbst geschafft zu haben. Meine Neuronen haben sich gefälligst aus meinem Antrieb neu zu ordnen. Nicht weil ich in einem halb-garen Zustand etwas getan habe, was ich mich sonst nicht trauen würde.

Thema: Mietnomaden
Das Thema betrifft mich eigentlich (direkt) noch weniger. Aber es hat trotzdem etwas in mir bewegt. Ich habe – dadurch, dass ich so Probleme mit meiner Wohnung habe – immer das Gefühl ein unzureichender Mieter zu sein. In ganz schlimmen Phasen habe ich schon vor meiner Haustür gestanden, mein Klingelschild angeschaut und war froh, dass da noch mein Name steht. Man hätte die Wohnung ja in meiner Abwesenheit – ohne jeglichen logischen Grund – räumen können. Bescheuert, oder? Selbst wenn ich das hier lese könnte ich mir selbst vor den Schädel hauen. Jedenfalls wurde bei Stern TV deutlich was man alles anstellen muss um überhaupt geräumt werden zu können. Selbst wer richtig schön Schulden hat und Scheiße baut (Nein, Svü… einmal die Miete zu spät überweisen ist kein Beinbruch.) wird noch längst nicht ohne sein Wissen vor die Tür gesetzt. Ist doch irgendwie beruhigend, da etwas zu haben was mal wieder an meine Logik appelliert ^^

Thema: Plötzlich alt (Demenz/Alzheimer)
In dem Experiment ging es darum, dass junge Leute mit Hilfe von speziellen Anzügen und Hilfsmitteln auf „alt“ getrimmt wurden. Für – ich glaube – 4 Tage sollten sie in einem eigens für diesen Test eingerichtetem „Seniorenheim“ leben. Mit dem Thema „Veränderung“ möchte ich mich eigentlich gar nicht wirklich auseinandersetzen. Also ignoriere ich das eigentliche Experiment mal 😉 Schwierig für mich war der Teil, als ein Wissenschaftler sich als Demenz-Patient verkleidete und in deren Speisesaal auftauchte. Diese Hilflosigkeit und nicht zu wissen wie man mit ihm umzugehen hat, hat mich schmerzlich an ähnliche Situationen mit meinem Opa erinnert. Wie er aus einem Teelicht trinken wollte… wie er damit überfordert war Messer und Gabel zu benutzen… dass er schon gar nicht mehr wusste wie „essen“ überhaupt funktioniert. Er kann sich nicht mal mehr alleine im Auto anschnallen. Und all diesem alltäglichen steht man so hilflos gegenüber und weiß einfach nicht wie man ihm begreiflich machen soll was man von ihm möchte. „Das schwierige für Angehörige ist, dass sie sich nicht in die Welt des Kranken hineinversetzen können.“
Im Grunde nichts anderes wie bei mir, oder? Wie soll ein gesunder Mensch verstehen, wie meine von Persönlichkeitsstörungen und Depression gezeichnete Welt aussieht, wenn ich es ihm nicht gescheit erkläre. Wie schade, dass Alzheimerkranke einem nicht sagen können wie ihre Welt aussieht…

Thema: Du sollst nicht lügen!
Schon vor ein paar Tagen habe ich in einem Blog darüber gelesen. Leider habe ich vergessen in welchem das war. Ich habe mich auch gar nicht so viel näher mit dem Buch beschäftigt, es ging irgendwie an mir vorüber. Bei dem Bericht heute morgen ist mir dann aber auch noch mal aufgefallen wie schnell man eigentlich lügt. Gerade wenn es um Dienstleistungen geht, aber eben auch wenn man gefragt wird, wie es einem geht. Ich sehe da nicht mal unbedingt das Problem bei demjenigen der „lügt“. Es ist doch vielmehr so, dass die meisten Leute die einen fragen „Wie geht es dir?“ , gar keine Zeit und Lust auf die ausführliche Antwort haben. Wer möchte schon im vorbeigehen darüber aufgeklärt werden, dass ich seit knapp 2 Wochen Schlafprobleme habe und mir immer wieder selbst auf den Geist gehe? ^^ Meistens wird doch ein „Alles gut.“ erwartet.
Natürlich rede ich hier jetzt nicht von allen. Ich gehöre zu den Leuten die diese Frage nur stellen, wenn sie auch wirklich Zeit haben sich mit einer möglicherweise negativen Aussage befassen zu können. Aber die große Allgemeinheit, der man im alltäglichen Leben immer mal wieder begegnet ist meiner Meinung nach so, dass sie die pure Wahrheit gar nicht hören möchte – geschweige denn erträgt. Selbst die Frau des Buchautors sagte, dass ihr das Leben mit ihm besser gefallen hat, als er noch „aus Höflichkeit gelogen“ hat.
Für mich völlig unverständlich. Ich möchte von niemandem geschont werden. Ich bin auch verdammt froh, dass mein Freund bis zum erbrechen ehrlich ist. So kann ich mir wenigstens sicher sein, dass jedes Kompliment absolut ernst gemeint ist. Sagt er nichts schlechtes, kann ich mir sicher sein, dass auch wirklich alles in Ordnung ist. Das Beste was mir passieren kann. Ich neige nämlich dazu in Aussagen immer das Schlechteste für mich heraus zu suchen. Man kann wirklich alles negativ interpretieren. Also bevorzuge ich die Leute die es genauso sagen wie es ist.
Tragisch ist nun, dass ich selbst nicht zu 100% zu den Leuten gehöre die ich selbst bevorzuge. Die Angst vor Konflikten und Konsequenzen siegt viel zu häufig. Ich vermeide es also meistens zu sagen, wenn mich etwas wirklich stört oder belastet. Ich rede gigantisch um den heißen Brei herum, obwohl ich die fertig formulierten Sätze schon im Kopf habe. Ich kann stumm heulend vor einem sitzen und im Endeffekt irgendwelche Belanglosigkeiten äußern die als Grund herhalten müssen. Weil ich Angst habe. Nicht mal unbedingt vor den Ergebnissen des Konfliktes. Viel mehr habe ich Angst in diesem Konflikt überhaupt drin zu sein.
Das Ende einer Freundschaft muss nicht immer direkt der Weltuntergang sein. Manchmal ist es eine Wohltat. Dennoch würde ich mich vor dem Gespräch scheuen was dazu führt es zu beenden. Ich könnte mich ja bequatschen lassen. Aus diesem Grund habe ich auch immer bei meinem Vater nachgegeben. Ich bin den Gesprächen dann nicht gewachsen. Mir gehen einfach die Argumente aus und im Endeffekt bleibt nur das Gefühl der Niederlage. Sich wieder nicht durch gesetzt zu haben und noch einen schlechten Eindruck hinterlassen zu haben. Gigantisch.
Aber selbst bei Leuten die mir egal sein könnten habe ich dieses Problem. Ich würde mich ohne Weiteres von jedem draußen bequatschen lassen, weil ich ein „Entschuldigung, ich möchte meine Ruhe haben.“, nicht über die Lippen kriegen würde. Ich könnte so oft draußen ausrasten, wenn ich irgendwas sehe was mich aufregt. Ich würde es mich nur nie trauen wirklich ehrlich zu sein. Zurück bleibt die Wut. Über mich selbst.

Ich wäre gerne mutig genug, immer zu sagen was ich denke und es nicht immer nur schreiben zu können.

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