Therapie – 11.11.2010

Kurze Informationsweitergabe. Ja, er geht. Betreuung denkt über Arbeitstherapie nach. Krankgeschrieben. Ja, ich habe die Fragebögen morgens und Abends genutzt. Schweigen. Unzufriedenes Gesicht bei Madame Frech.

„Worüber wollen Sie denn heute reden?“ – „Ich weiß nicht… ich bin so müde…“ – „Das klingt nach so wenig Lebensenergie… wie alt sind sie jetzt? 26? Sollte da nicht mehr sein…“ – „Hab ich auch schon gehört…“

„Ich bin irgendwie überfordert mit den 2 Betreuungsterminen die Woche. Und dann hier. Und irgendwie jeden Tag was anderes. Ich hätte gern mal wieder nen Tag an dem gar nichts ist.“ Schweigen. “ Und trotzdem hab ich das Gefühl zu wenig zu tun. Als würde ich mich nicht bemühen, dabei ist das doch totaler Schwachsinn. Ich mach doch. Aber irgendwie nicht genug und wenn ich dann sag, dass ich nicht Arbeiten kann, überleg ich direkt ob das nicht einfach nur faul ist und ich doch eigentlich könnte. Dass es nicht reicht die Bögen alle zwei Tage zu machen, sondern täglich sein sollte und dass ich mehr lernen müsste und überhaupt mehr hinkriegen sollte. Aber ich bin doch wirklich müde…“

Gestern bei einem Blick auf den Kalender hab ich es schon gemerkt. Ich bin müde. Kraftlos. Ich hab einfach keine Lust mehr. Ich würde gerne Winterschlaf halten. Jetzt. Bis zum Frühling. Und dann neu anfangen. Schweigen.

„Wann haben sie sich das letzte Mal richtig kraftvoll gefühlt?“ – „Die ersten 4 Wochen mit meinem…. Freund“ – „Was war da anders?“ – „Es lief halt alles irgendwie von selbst…“ – „Und davor?“ – „So um Ostern rum…“ – „Und davor?“ – „Tagesklinik.“ – „Davor?“ – „Is mindestens nen Jahr her gewesen.. wenn nicht länger… 2008… nach der Klinik.“ – „Was war denn da immer?“ – „Es waren alles Neustarts. Neue Wohnung. Neuer Freund. Die Kraft aus der Klinik. Semesterbeginn.“ Schweigen. Großes Schweigen.

„Ich hab keine Lust mehr. Ich hab es satt immer wieder neu anzufangen um dann am Ende doch wieder einen aufs Maul zu kriegen.“ Große Heulerei. (Übrigens das 1.Mal, dass ich bei ihr anfange zu flennen…) „Es hätte doch wenigstens einmal jetzt funktionieren können, oder?“ – „Wissen sie, ich hätte Ihnen das jetzt auch wirklich gewünscht. Dass sie da eine schöne Beziehung haben die sie die nächsten Monate und Jahre stützt.“ Mittlerweile sitzt sie neben mir. Meinte sie wäre zu weit weg von mir, wenn sie mir gegenüber sitzt. Noch mehr Heulerei.

Die „Stunde“ ist vorbei. „Glauben Sie die Bögen bringen Ihnen was?“ – „Ich denk schon, ja.“ – „Okay, reden wir nächste Woche noch mal drüber.“

Advertisements

6 thoughts on “Therapie – 11.11.2010

  1. Ui. Auch wenn ichs nicht so in dem Maße erlebt hab, kann ichs mir einigermaßen gut vorstellen. Und heulen musste ich auch mal bei einer Gesprächsstunde, als er mir die Augen zu einer Bekanntschaft geöffnet hat. Er blieb aber gegenüber sitzen. Ich wünsche dir viel Erfolg und die nötige Ausdauer.

  2. Oh man, manchmal habe ich echt das Gefühl du schreibst über mich.
    Diese Therapiestunde hätte gut meine sein können, nur bekomme ich es nicht so gut ausgedrückt.
    Die Gedankengänge sind die gleichen, aber die Worte zum aussprechen fehlen mir. Vielleicht solltest du mein Dolmetscher werden 😉

    Geweint habe ich noch nicht, aber es gab Situationen, da hab ich ziemlich geschluckt und nicht mehr weiter geredet, damit ich nicht weinen muss.

    • Ich hab auch versucht es mir zu verkneifen… was dann zu nen paar Hicksern geführt hat… Im Endeffekt war dann aber zu viel Wasser da um es runter zu schlucken… 😉

      War das nen Jobangebot? Nehm ich 😀

  3. Das kenne ich. Also, ich meine wirklich. Und die absurden Extreme die es annehmen kann: Nach 16 Stunden Arbeit zusammengebrochen, zuhause gelegen. Freund meinte ich solle mich krank schreiben. Und ich? „Nein, die anderen machen auch soviel. Ich bin der totale, faule Loser wenn ich morgen nicht hingehe.“

    Und ich kenne die kraftlosen Phasen, die endlosen Neustarts, das ewige: Nocheinmal, nocheinmal, nocheinmal. Irgendwann will man einfach nicht nocheinmal. Nicht schon wieder. Hatte man alles, kennt man alles. Man weiss wies ausgeht.

    Mir fällt kein Trost ein, der nicht irgendeine Plattitüde wäre.

    Alles Liebe,

    Silberaugen

    • Willkommen 🙂

      An den anderen messen… hört man jemals damit auf? Ich mein, werden wir irgendwann verstehen, dass wir unsere eigenen Maßstäbe nehmen müssen, wenn wir nicht wieder zusammenbrechen wollen?!

      Aber auch wenn ich keine Lust mehr habe… wie bescheuert wäre es jetzt nicht noch mal aufzustehen… Hätte ich mir die letzten 100 Mal ja auch sparen können, nich? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s