Sinne.

Während meiner Offline-Zeit hatte ich zu mehreren Dingen die Gelegenheit. Zum einen konnte ich die Zeit tatsächlich mal dazu nutzen um zu lernen. 😉 Sonst komm ich da ja einfach nicht zu weil mir das böse böse Internet die Zeit raubt. (Allerdings wurde ich bereits über eine „Kindersicherung“ informiert die mir nur ein gewisses Stundenkontingent zur Verfügung stellen würde. Das klingt nach einer Notfalllösung. :P) Zum anderen habe ich aber auch viel bewusster TV geschaut als sonst. ^^ Nicht nur einfach sinnlos nebenher laufen lassen, nein ich habe tatsächlich auch mal etwas mitbekommen.

Mich beschäftigt nun unter anderem seit einigen Tagen ein RTL-Experiment. In diesem Experiment hat sich eine Reporterin zunächst mit einer taubstummen jungen Frau getroffen. In einem Interview – mit Hilfe einer Gebärdensprachen-Dolmetscherin – wollte sie nun erfahren wie das Leben als Gehörlose ist und vor allem wie man sich als solche verständigt, wenn niemand in der Nähe Gebärdensprache beherrscht. Laut der jungen Frau, die von Geburt an taub ist, lässt sich das meiste durch einfaches Zeigen erledigen. Sie persönlich kann sich ein Leben als Hörende gar nicht vorstellen. (Wie auch?!) Aber: Sie will es sich auch nicht vorstellen. Die ganzen Geräusche wären ihr viel zu viel Input. (Wo ich spontan an jemanden denken musste… na weißt du wen ich meine? ;)) Nach den eingeholten Vorinformationen begann nun das eigentliche Experiment.

Ausgestattet mit ihrem einzigen Hilfsmittel – einem Zettel mit der Aufschrift „Ich bin taub.“ – macht die Reporterin sich auf den Weg. Einen Tag lang nichts hören und nicht sprechen ist ihr Ziel. Mit Ohrstöpseln „macht“ sie sich taub, das Sprechen verkneift sie sich „einfach“. Ihren Erfahrungen sind unterschiedlich.

Zum einen fühlt sie sich zunächst dauerhaft verfolgt, da sie nun ja nicht mehr hört was hinter ihr ist. Ein Gefühl was manche, die laute Musik über Kopfhörer hören, vielleicht nachvollziehen können. Zumindest ich fühle mich dann meist ziemlich abgeschottet. Ansonsten kommt sie ganz gut durch den Tag. Das meiste gelingt ihr durch einfaches Zeigen. Nur einmal muss sie ihren Zettel zeigen. Manchmal wird sie merkwürdig angeschaut. Tatsächlich gibt es aber auch Leute die ihren Kumpel wegziehen, als dieser die Reporterin begafft. Löblich. Am schlimmsten ist eigentlich das Gefühl nach dem Experiment. Ohrstöpsel raus und plötzlich so viel Input. So viele Töne und Geräusche von allen Seiten.

Das Experiment hat mich zu zwei Überlegungen gebracht. Zum einen: Ich fände temporäres taub sein echt praktisch. Beim Lernen könnte das von Vorteil sein. Ich lasse mich ja von jedem Piep ablenken. Ohrstöpsel funktionieren bei mir leider nicht. In dem Fall höre ich einfach meinen Herzschlag oder das „Blut rauschen“. Zum anderen kam mir ein Gedanke, der mir immer mal wieder kommt: Auf welchen Sinn könnte ich zur Not verzichten?! (Und bei der Überlegung sehe ich jeden Sinn als unabhängigen Sinn an und lasse sämtliche Interaktionen außer Acht. ;))

Auf den Geruchssinn? Wo ich doch so geruchsgesteuert bin und ganz viele Erinnerungen mit Gerüchen verbinde? An Gerüchen hängt so verdammt viel. Ich glaube ja auch fest daran, dass man seine Liebsten „riechen können“ muss und meistens auch „riechen kann“. (Dementsprechend erschnupper ich auch regelmäßig Ex-Freunde an Orten wo sie sicher gar nicht gewesen sind… *grmlz*)

Aber könnte ich auf das Hören verzichten? Wo ich doch gerade über Stimmen so viele Gänsehauterfahrungen gemacht habe? Klar, es gäbe Situationen in denen diese Stille von Vorteil wäre. Aber im Endeffekt sind diese doch recht selten und ich finde das Gefühl nach einem etwas zu lautem Konzert meistens schon eher unangenehm. Dieses dumpfe nicht richtig hören, alles nur leise wahrnehmen. Nein, danke. Ich brauche meine Musik, ich brauche die Stimme meines eventuellen Partners und Filme nur mit Untertitel sehen? Ähm… nee.

Könnte ich auf das Tasten verzichten? Ich weiß es nicht. Darüber wie es ist etwas nicht zu fühlen habe ich in den letzten Monaten schon mal intensiv nachgedacht. Dadurch, dass ich mich mit MS beschäftigen „musste“, stand irgendwann auch mal im Raum wie das ist, wenn ein paar Nerven abschalten und man an betreffenden Stellen nichts mehr fühlt. Ich fand den Gedanken schrecklich. Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich schlecht gefühlt habe, wenn ich ihn an Stellen berührt habe, wo er eigentlich eh nichts mehr gefühlt hat. Aufgefallen ist es mir meist immer erst nachher… Wie würde ich mich an seiner Stelle fühlen?

Wie wäre es wohl blind zu sein? Völlige Dunkelheit. Manchmal laufe ich im Dunkeln durch meine Wohnung. Jedesmal bin ich froh, wenn die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben und ich wenigstens Umrisse erahnen kann. In den meisten Räumen mache ich als allererstes Licht an. Im Zusammenhang mit Menschen finde ich das Sehen auch sehr wichtig. Ich schaue Menschen gerne an. Ich beobachte gerne, ich versinke gern in Augen, oder schaue meinen Katzen zu. Allerdings würde blind sein die Partnerwahl erleichtern. Sind jegliche Oberflächlichkeiten doch mit einem Schlag ausgeschaltet…

Schmecken… Nichts zu schmecken kennt glaub ich jeder von uns. Wer war nicht schon mal erkältet und hat viele Sachen nicht mehr wirklich geschmeckt? Jetzt gerade schmeckt bei mir auch schon wieder nicht alles so wie es sollte. Die Erkältung lässt grüßen. Natürlich mag ich gut schmeckende Dinge. Wenn ich da allein an dieses göttliche Met-Bier denke. *träum* Aber im Endeffekt wäre das wohl am leichtesten… In dem Fall könnte ich sogar fast immer essen was ich koche. 😉

Generell muss ich allerdings gestehen, dass ich irgendwie einen Unterschied im Kopf habe. Hören, Sehen und Riechen sind für mich mehr „Sinn“ als Tasten und Schmecken. Würde ich Sinne aufzählen müssen, würde ich letztere wahrscheinlich häufig vergessen. Sollte ich mich jetzt innerhalb dieser von mir „gedachten“ Gruppen entscheiden hätte ich ein echtes Problem… Ich würde wohl das Schmecken nehmen… und… ja… wahrscheinlich wohl eher das Sehen. Denn wenn ich ganz ehrlich bin… Das Sehen hat mir am meisten Probleme eingehandelt…

Und wie ist das bei euch? Wofür würdet ihr euch entscheiden?

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13 thoughts on “Sinne.

  1. *Hm* Kurz nachgedacht, wobei mein Bauchgefühl direkt eine Entscheidung getroffen hat. Welche wohl? 😉
    Genau, aufs Hören könnte ích verzichten, wenn man wirklich vor dieser Entscheidung stehen würde und es selbst bestimmen kann.

  2. deine posts werden auch immer länger ;)!

    was dir vielleicht beim lernen/konzentrieren helfen könnte: föhn-geräusch [gibt es auch frei im web als mp3], geschirrspüler [mache ich gern an, wenn ich in der küche lese..], rauschen [rosa, weißes und braunes rauschen hier bei simply noise] :D… ich stehe ja auf braunes rauschen. ^^

  3. eine Frage auf die ich nie recht eine Antwort finde – weil ich alle Sinne brauche. Hören wär für mich was ganz Schlimmes – weil viel über die Musik läuft bei mir, damit wäre auch sprechen eine Qual (weil Singen ginge dann ja auch nicht mehr) – aber das ist ja kein Sinn.

    Fühlen ist überlebenswichtig – also der Tastsinn – weiß ich noch aus Zeiten wo ich zugucken konnte wie mir die Hand verbrennt wenn ich sie auf die heiße Herdplatte lege weil ich es nicht fühlen konnte. Meine Feinmotorik ist aber gestört – von daher könnte ich damit vielleicht noch am ehesten umgehen – doch es wäre ein Problem. Außerdem gehört da ja irgendwie auch das „Stimmungen fühlen“ mit rein – und das ist mir wichtig.

    Sehen – auch ganz wichtig – kommt gleich nach hören (vielleicht grade weil mein Tastsinn ehe grenzwertig ist)

    Riechen und Schmecken – dann lieber aufs Riechen verzichten – und wenn ich mich entscheiden müsste – wäre es auch das riechen. Weil es für mich am wenigsten Einschränkungen bedeuten würde – alle anderen wären schlimmer für mich.

    • Schwierig. Da kann ich wohl auch am ehesten nach dem Ausschlussverfahren gehen. Tasten finde ich extrem wichtig. Sehen hatte ich früher mal die meiste Bedeutung zugesprochen, bis es dann mal in einer TV-Sendung auch irgendwie um verlorene Sinne ging. Und vom Hören (ganz abgesehen davon, dass ich Musik eh für sehr wichtig halte) ist normalerweise auch das Sprachvermögen abhängig. Hier würde man mit einem Sinn also gleich zwei Fähigkeiten verlieren.

      Schmecken/Riechen sind für mich ein Sinn, da zum Schmecken auch viel Riechen dazugehört. Zugegeben, auch das Auge isst mit. Aber ich möchte meinen, dass das Riechen auch zum eigentlichen Schmecken beiträgt und nicht nur Gewöhnung ist wie bei Sehen. Im normalen Alltag wird Blindheit wohl eine größere Hürde sein. Ich schwanke zwischen Schmecken/Riechen und Sehen und lasse das mal so stehen.

  4. Pingback: Oberflächlichkeit. « Willkommen in der Svüchiatrie!

  5. Die Frage ist echt schwierig zu beantworten. Ich glaube auf das Schmecken und Riechen könnte ich notfalls verzichten. Auf das Hören und Sehen bin ich dringenst angewiesen, denn ich tue mich sowieso schwer, die Gefühle und Stimmungen von meinem Umfeld einzuschätzen. Wenn ich dann meinen Gesprächspartner sehe, und unsicher bin z.B. was er grade fühlt, brauche ich undbedingt noch akkustisches, wie seine Stimme um halbwegs richtig zu interpretieren. Ausserdem wenn ich meine Umwelt nicht höre bekomme ich Panik (kann deshalb nicht mit lauter Musik über Kopfhörer draußen rumlaufen 😦 )

  6. Ich bin weitaus zu Musikfixiert, um darauf verzichten zu können. Ich ertrag es ja auch nicht, wenn es zu lange total still ist. Da werd ich ziemlich nervös und brauche etwas, was mir dann irgendwie Geräusche verursacht. Bevorzugt Musik. Außerdem bin ich ja doch sehr Musiksensibel, wenn ich das so ausdrücken darf 😉 Die anderen Dinge… Da ich ziemliche Panik davor hab, dass mir irgendwas mit den Augen passiert, schließe ich daraus doch einfach mal, dass ich auf diese nicht verzichten möchte.
    Also bleiben Tasten – Riechen – Schmecken. Wie war das mit dem Zusammenhang zwischen Nase und Geschmack? Verwirrt mich jetzt doch etwas… Also ich liebe Essen, von daher wäre es schon blöd für mich, nicht mehr schmecken zu können.
    Wie ist es mit dem reinen Geruch? Verdammt noch mal… Ich mag Gerüche… Wie du schon sagst ist der Geruch des Partners einfach wundertoll. Auch eigenes Parfüm oder halt das des Partners… Aber da ich ja doch recht viel im Labor bin… Wäre es andererseits auch ein Segen, das mal nicht zu riechen. Es gibt ja so viel ekeliges… Wäre teilweise schon toll, das nicht riechen zu müssen 😉 Aber auch doof, weil das schlecht riechende ja auch oft schon so ein erster Hinweis auf Gefahr sein kann.
    Tasten… Ist damit nur die Wahrnehmung gemeint oder auch die Bewegung an sich? Ich fühle auch gerne etwas… zu gerne.. Berührungen etc. Was wäre es denn noch, sein Haustier zu streicheln, wenn man es nicht fühlen kann?
    Ergo.. Ich nehm das riechen, weil es zu viele ekelige Gerüche gibt 😉

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