Heiligabend.

Was die obligatorischen Weihnachtswünsche angeht, so schließe ich mich jetzt hier einfach mal Igi an und füge noch „Gesundheit“, „Kraft“ und jede Menge „Mut“ dazu. Und natürlich, dass ihr so wunderbare Menschen in eurem Leben habt wie ich.

Eigentlich sollte ich im Moment nicht hier sein, sondern bei Huibuh. Doch unser Weihnachten fand dann um kurz vor sieben telefonisch statt. Denn heute lief nichts so wie es eigentlich sollte und ich bin mir im nachhinein nicht mal mit mir selbst einig ob das nun gut oder schlecht war.

Meine Schmerzen sind im Laufe des Abends und über Nacht schier unerträglich geworden. Da konnte mir auch nicht drüber weg helfen, dass ich nun mit Sicherheit sagen konnte wo sie herkommen. Der Nacken war bretthart, ich konnte in keiner Art und Weise liegen. Nicht mal den Kopf an die Wand lehnen war möglich ohne dass mir alles weh tat. Das einzige was eine Weile ging war „sich einfach nicht bewegen“. Doch auch das hat nicht lange funktioniert. Irgendwann tat es beim bloßen existieren weh. Ich hab die Stunden gezählt. Hab den Anrufbeantworter von meinem Orthopäden abgehört und erfahren, dass die Praxis um 8 Uhr öffnet. Weiter die Stunden gezählt.  Irgendwann war 7 Uhr und ich bin los. Durch die Hügellandschaft des Schnees. 20cm sind hier über Nacht gefallen. Zumindest sah das für mich so aus. Vor der Praxis dann die Katastrophe. „Wir haben Heiligabend geschlossen.“ Und wieso meine lieben Damen und Herren könnt ihr das nicht auf euren Fucking Anrufbeantworter sprechen?!

Das war der Moment in dem ich auch endlich heulen konnte. Die ganze Nacht konnte ich nicht vor Schmerzen heulen, obwohl sie dafür definitiv ausgereicht haben. In dem Moment waren die Schleusen offen. Besonders als mir aufgefallen ist, dass ich nicht mal mein Handy mit hatte. Und auch keinen anderen Arzt mehr kannte. Denn meine anderen Ärzte sind ja auch alle in diesem Zentrum drin. In der Innenstadt sind nun ziemlich viele Ärzte und ich hatte die Hoffnung, dass sich da einer finden würde. Aber merkwürdiger weise hatten nur Augen- und Zahnärzte geöffnet. Hilft mir jetzt nicht so viel. (Auch wenn mein Zahnarzt dabei gewesen wäre. Gut zu wissen für den nächsten Notfall. ^^ Ich glaub ich bin wie ein Zombie durch die Stadt geschwankt. Einmal komplett durch. Von oben nach unten. Unten angekommen dann die Idee zu meinem alten Hausarzt zu fahren. Um dann festzustellen, dass in der gesamten Stadt Bus und Straßenbahnverkehr eingestellt ist. Hallo? Zivilisation? Die einzig fahrende U-Bahn genommen. (Zum Glück schneit es nicht auch noch unterirdisch… Aber vielleicht haben wir das ja im nächsten Winter.) Immerhin fahren die S-Bahnen durchgängig. Also kam ich wieder nach Hause. In purer Verzweiflung meinen Vater angerufen um mit ihm ins Krankenhaus zu kommen. Keine Chance. Festgefahren. Taxi konnte ich mir nicht leisten. 4km zur Klinik laufen hätte ich nicht noch geschafft. Jeder Schritt tat nur noch mehr weh. Ein Segen, dass mein rettender Engel online war.

Ilana, Menschen wie du sind unersetzlich. Und wärst du nicht online gewesen. Ich hätte dich wohl wirklich angerufen. Denn mir ist niemand mehr eingefallen der mir noch hätte helfen können. Aber unser erstes Telefongespräch in heulender Version wäre mir doch irgendwie… naja… doof vorgekommen. 😉 Aber du warst online und du hast getan was ich nicht hätte tun können. Im Endeffekt hast du mir den Krankenwagen gerufen. Ich wäre wohl eher vor Schmerzen gestorben als das zu tun. Krankenwagen sind für Leute da die sich nicht mehr bewegen können. Nicht für diejenigen die ihren Rettern noch im Treppenhaus entgegen kommen können.  Fühlt sich immer noch merkwürdig an, aber ich hab es überlebt.

Dann die Diskussion wo sie mich hinbringen. Chirugie? Aber welches Krankenhaus?

„Es ist mir eigentlich völlig egal. Sie könnten mir auch hier eben mit dem Hammer einen drauf geben?!“

Gelächter. „Den haben wir leider nicht dabei.“

„Hätte ich den von oben mitnehmen sollen?“

Im Endeffekt haben sie zum Glück die Klinik bei mir „um die Ecke“, also die in 4km genommen. Mit der Begründung, dass es zur Not möglich ist mich einem Orthopäden vorzustellen.  Aber auf großartige Diagnostik war heute irgendwie keiner aus. Mir hätte wie gesagt der Hammer gereicht.

Die Fahrt war Hölle. Rettungswagen mit Schneeketten sind für einen Schädel/Nacken der bei jeder Bewegung reagiert irgendwie eher ungeeignet. Aber eigentlich war ich ja nur froh unterwegs zu sein. Und mein schmerzverzerrtes Gesicht gab mir selbst immerhin dann doch die Rechtfertigung in diesem Wagen zu sitzen. Auch wenn ein kleiner Teil in mir immer noch sagt, dass es zu viel Aufwand um meine Person war. 😉

In der Klinik ging es recht schnell. Der Arzt war nett, hat versucht mich einzurenken mit dem Ergebnis, dass fast alles da saß wo es sollte. Ein einziges kleines Knacken war zu vermelden. Seine Diagnose: Nervenwurzelreizung. Seine Empfehlung: Lassen sie sich vom Hausarzt eine Überweisung zum MRT geben und von ihrem Orthopäden wirklich komplett durchchecken. Irgendwas in ihrem Körper sitzt nicht gerade und läuft schief…. Ja… den Gedanken hab ich auch schon gehabt. Seine Therapie: Rund um Versorgung mit Tramal, einer 50er Packung Ibu 600, Muskelrelaxan und Magenschutztablette. Ja gut… futter ich die nächsten Tage halt 13 Tabletten am Tag. Leider fast alle weiß. Und dabei dachte ich, dass mein Leben endlich bunter wird. ^^

Das bestellte Taxi kam nicht. Ich durfte laufen. Kleiner Umweg über den Hauptbahnhof. Was zu essen besorgt, den ersten und einzigen Kaffee des Tages getrunken. Der war zwar lecker und warm, aber meine Nervenbahnen standen nicht so drauf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade mal eine Ibu drin. Und die hat die Schmerzen gerade mal gedämpft. Aber sowohl Tramal als auch Musaril sollte ich erst zu Hause nehmen. Ich hab fast 3 Stunden gebraucht. Meine Familie telefonisch entwarnt und dann erst mal geschlafen. Immerhin 4 Stunden. Hatte irgendwie mehr erwartet. Danach kurz Weihnachtskonferenz mit Huibuh gehalten. Über das geplante Silvestermassaker geredet. 😀 Und noch mal schlafen gegangen. Noch mal 4 Stunden. Jetzt tippe ich hier den Blogartikel und danach geh ich wieder ins Bett. Mit der nächsten Ladung Tabletten. Denn wirklich schmerzfrei bin ich eigentlich immer noch nicht :/ Aber es ist auf einem erträglichen Level.

Wie die weitere Planung aussieht weiß ich noch nicht. Bei der aktuellen Verkehrslage ist das einzige was garantiert funktioniert der Weg zu Nisi. Ob ich zu meinem Vater komme ist noch absolut unklar.

Ich bin dann mal weg. 😉

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4 thoughts on “Heiligabend.

  1. Und ich gestehe, dass ich immer noch auf deine Anwesenheit hoffe… Sollte es allerdings arg zu stressig werden, mit immer noch Schmerzen irgendwohin zu kommen, würd ich auch verstehen, wenn du es lieber lässt… Ich… bräuchte nur irgendwie eine geliebte Person außer Familie bei mir…

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