Therapie – 03.02.11

(In den Entwürfen verloren gegangen und irgendwie in Vergessenheit geraten. Vor allem doof, dass der Artikel nur halb fertig geschrieben ist…)

Wenn ich jetzt den Bericht von letzter Woche lese, dann frage ich mich was genau das Gefühl der darauffolgenden Tage erzeugt hat. Fakt ist allerdings, dass ich in den Tagen danach sehr mit mir und der Stunde zu kämpfen hatte. Dass ich mich von meiner Therapeutin massiv unter Druck gesetzt gefühlt habe. Ich hatte den Eindruck als müsste ich ihrer Meinung nach zu viel in zu kurzer Zeit erreichen. Also würde sie mehr von mir erwarten als ich leisten könnte. Als könnte ich (mal wieder) nicht gescheit mitarbeiten.

Während das Freitag noch ein eher unbestimmtes „Druck-Gefühl“ war (ich glaube zumindest, dass ich das Gespräch mit Ilana Freitags geführt habe), wurden die Fragen am Samstag dann eher konkret. Ich habe mich (mal wieder) damit auseinander gesetzt, ob ich nun krank oder faul bin. Oder beides.  Auch der Druck wurde konkreter. Das Gefühl den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Erwartungen nicht erfüllen können.

Irgendwann Sonntag (falls die Wochentage überhaupt stimmen ^^) kam ich dann aber (mal wieder durch Ilana – was würde ich eigentlich ohne dich tun?) zu dem Schluss, dass ich keine Erwartungen erfüllen muss. Schon gar nicht die meiner Therapeutin. Immerhin ging es hier um mich und meine Grenzen. Damit konnte ich dann sogar so gut leben, dass ich das „Druck-Gefühl“ bis zur Therapie gestern komplett vergessen hatte.

Solange bis Madame Frech mit einem „Wie ging es ihnen nach der letzten Sitzung?“ anfing.  „Scheiße!“  Ihr Blick sprach Bände. Dicke, große Bände. ^^  Also fing ich an und erzählte ihr die Entwicklung meiner Gedanken und Gefühle nach der letzten Sitzung und dass ich das Gefühl habe/hatte zuviel Druck von ihrer Seite aus zu bekommen.  „Aber so war das doch gar nicht gemeint.“  Dummerweise fehlt mir hier dann jetzt gerade auch ihre erklärende Aussage. Aber ich kann immerhin so weit sagen, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, dass sie mir Druck macht. Sondern eher ich selbst. Meine eigene Unzufriedenheit, die vieles was sie sagt einfach mit „Absicht“ falsch auffasst und sich so übersetzt als wäre sie gegen mich. Vermutlich wäre ich bei jeder anderen Therapeutin schon geflohen, weil ich mich angegriffen gefühlt hätte. Aber die Frau ist halt schon irgendwie ein Glücksgriff. Im Grunde passt es super so wie es ist. Und würde ich über mich nachdenken, wenn sie mich nicht manchmal in die Enge treiben würde?

Nach der letzten Sitzung sind wir übrigens gemeinsam die Treppe runter gegangen. Und auch wenn ich ihren genauen Wortlaut nicht mehr zusammen bekomme. Es ging darum, dass schneller Laufen auch schon einiges an Zeit einsparen würde. Ich war versucht ihr die Zunge herauszustrecken und habe es mir gerade noch so gekniffen. Als ich sie vorbei lassen wollte hat sie sich geweigert. „Wissen Sie, wenn ich jemanden hinter mir habe, laufe ich immer schneller und fühle mich gehetzt.“ – „Na dann ist das so doch gerade ganz praktisch.“, lachte sie. Warum ich euch das jetzt erzähle? Weil es Grundlage für den weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung ist. 😉

„Ich hatte nach der letzten Sitzung noch eine Idee. Und zwar ging es um Tempo.“

Meine Assoziationen zum Thema Tempo kamen ziemlich prompt. Mir fielen dazu direkt zwei Sachen ein. Auf der einen Seite geht mir alles zu langsam. Ich entwickel mich nicht in dem Tempo in dem ich es gerne würde. Meine „Genesung“ so weit man von einer solchen sprechen kann, schreitet mir nicht schnell genug voran. Gleichzeitig sind mir aber auch die Anforderungen zu hoch die an mich gestellt werden. Die Geschwindigkeit in der ich Leistungen erbringen soll ist mir zu hoch. Da sagt der eine Arzt: „Achten sie auf ihre Haltung, tragen sie immer den Fersenkeil, kümmern sie sich schleunigst um die Physio, bewegen sie sich.“ Der andere Arzt kommt mit „Benutzen sie dies, benutzen sie jenes.“ Die Psychiaterin sagt: „Machen sie sich nicht zu viel Stress.“ Die Amtsärztin: „Konzentrieren sie sich aufs Studium.“ Meine Betreuung schießt wenigstens in die gleiche Richtung und stellt auch die Klausur in den Mittelpunkt. Von gewissen Teilen meiner Familie reden wir einfach mal nicht.  Dann sind da noch meine eigenen Anforderungen an mich selbst. Erwartungen von Freunden. Der typische Alltag (Haushalt, Wäsche, Geld…). „Setzen sie sich Ziele, führen sie Tagebuch, halten sie Positives fest, seien sie achtsam….“  Und das alles gleichzeitig. Vor allem der Rat der Psychiaterin ist da sehr gut. 😉 So in etwa hab ich das dann auch vor Madame Frech dargestellt. So fern ich weiß ließ sie das aber unkommentiert. Oder ich hab es mittlerweile einfach wieder vergessen. Gruß ans selektive Hirn.

„Meine Idee dazu war viel simpler. Was wäre denn, wenn man das Tempo erhöht? Also nicht die Anforderungen, sondern die Handlungsgeschwindigkeit. Die Ausführung jeder einzelnen Bewegung beschleunigen. Also im Kleinen anfangen. Zum Beispiel auch schneller laufen.“ Sie zwinkert. – Pf ^^

Ich verstehe zwar was sie meint, aber habe ich dazu irgendwas sinnvolles zu sagen? Habe ich vielleicht sogar was sinnvolles gesagt? Null Plan. Keinen Schimmer. Ich weiß nicht mal ob ich was nicht so sinnvolles gesagt habe. Ich weiß auch nicht wie wir die Kurve zu meinen folgenden Aussagen bekommen haben. Vielleicht war es auch eher nen Sprung. ^^

„Nach ein paar Tagen mit vollem Kalender, also mit vielen Terminen, bin ich danach total ausgelaugt. Da ist sogar das aufstehen wieder anstrengend. Weil die letzten Tage einfach zu viel Input waren. Dann will ich keine Menschen sehen, nicht mit ihnen (direkt) reden und keinen Termin haben oder vor die Tür gehen.“ – „Vielleicht gehören sie einfach zu den introvertierteren Menschen die dann Zeit für sich brauchen um wieder zu regenerieren.“ – „Aber es ist ja nicht so als würde ich dann keinen Kontakt zu Menschen haben. Der Kontakt hat halt nur den Vorteil, dass man ihn theoretisch zu jedem Zeitpunkt mit einem Klick beenden könnte. Als ich bei meiner Mutter war hat mir der indirekte Kontakt zwar nicht gefehlt, aber dafür der direkte. Es war zwar schön effektiver zu sein, aber das Soziale blieb ziemlich auf der Strecke.“ –  „Aber offensichtlich haben sie sich komplett ohne das Soziale auch besser regeneriert. Zumindest sieht das so aus, wenn wir mal ihre Leistungsfähigkeit beachten. Ihr Schlafbedürfnis. Ihre Konzentration.“

Hier verlassen mich meine konkreten Erinnerungen vollständig. Ich weiß nur, dass ich ihr noch von dem Ergebnis der Probeklausur erzählt habe und sie sich gefreut hat. Nach der eigentlichen Sitzung bin ich noch mit ins Büro, weil wir einen Termin streichen und einen neuen machen mussten.

Um meine Ideen nicht direkt zu verlieren habe ich auf dem Rückweg direkt mal mein Diktiergerät geschnappt.

(Entwurf Ende, aus den folgenden Stichpunkten versuche ich mal jetzt – fast 2 Monate später ^^ – sinnvolle Aussagen zu formen *g*)

Ich weiß noch, dass sie von Kondition gesprochen hat. Dass sie meinte, dass ich „untrainiert“ bin und es deswegen nicht verwunderlich ist, wenn das Energielevel so niedrig ist. Man müsse das halt irgendwie trainieren und immer wieder an die Grenzen heran und ein Stück weit drüber gehen um die Kondition zu trainieren. Vergleichbar mit dem Sport halt.

Ich bin mir selbst jetzt nicht sicher ob ich das so unterschreiben wollen würde. Über die Grenzen gehen macht sich nun mal immer sehr deutlich bemerkbar. Hab ich – aus welchen Gründen auch immer – viele Termine wahrgenommen oder viel gemacht bin ich häufig danach erst mal eine ganze Weile ausgeschaltet. Manchmal wie oben gesagt mehrere Tage. Möglich, dass das damit zusammenhängt, dass ich meine Grenzen gar nicht bzw. zu spät wahrnehme und einfach so „übertreibe“, dass das mit „trainieren“ wenig zu tun hat.

Aber wie nehme ich meine eigenen Grenzen besser oder überhaupt wahr? Und wenn ich das tue, wie schaffe ich es dann sie angemessen zu überschreiten, also auszudehnen ohne direkt wieder zu übertreiben? Also eben den erwähnten Trainingseffekt zu erzielen?

Ähnlich schwer tue ich mich bei dem Thema „Tempo“. Nicht immer bin ich körperlich in der Verfassung das Tempo zu erhöhen. Geschickter weise kann ich da aber auch nur ganz schwer zwischen „wirklich körperlich im Eimer“ und „antriebslos“ unterscheiden. Auch ein Grund wieso ich häufig über meine eigenen Grenzen poltere. Wie unterscheide ich also ob eine Tempoerhöhung sinnvoll/möglich ist oder nicht? Und wie verhindere ich, dass es direkt in Stress ausartet?

Das hier zu schreiben macht es leider nicht weniger schwammig. Mit diesem Vergleich kann ich nur ganz schwer arbeiten und wir hatten seitdem leider keine Möglichkeit mehr noch mal darüber zu reden. Es gibt aktuell dringendere Themen, die sich leider nicht aufschieben lassen. Fakt ist, dass es auch um Prioritäten, Effizienz und Effektivität geht. All das im Zusammenhang mit Kondition und Tempo. Und irgendwie höre ich das alles, aber begreife es nicht und von umsetzen kann gar nicht erst die Rede sein.

Sie sagte selbst, dass es schwer sein wird. Weil ich mich bisher nie selbst wahrgenommen habe. Selten meine Grenzen anerkannt habe und einfach noch nie drauf achten „musste“. Aber auch zu wissen, dass es schwer ist hilft mir nur bedingt 😉

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3 thoughts on “Therapie – 03.02.11

  1. ähm also beim Sport macht man das so, dass man nicht über die Grenzen geht sondern an die Grenzen

    Man trainiert so dass man keinen Muskelkater hat – denn wenn man einen hat, hat man übertrieben.

    So ist das mit den Grenzen auch – zwischendrin soll das immer mal wieder getestet werden – also ganz gezielt – schauen ob die Grenzen noch da sind wo sie waren oder nach hinten verschoben (was ja Ziel ist) – doch das macht man nicht im Training
    sondern quasi beim Überprüfen ob das aktuelle Training noch ausreicht.

  2. Pingback: 2011 – Teil 1 (Therapie). | Svüchiatrie.

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