Therapie – 15.06.11

Wir hängen bei den „Überhöhten Standards“. Wo kommen sie her? Wie äußern sie sich bei mir? 

Die Basis für diese wunderbare Lebensfalle verdanke ich wohl meiner Familie und auch meinen Grundschulleistungen. Für mich war es früher normal sehr gut zu sein. Ich  konnte alles und musste nicht lernen. In der Grundschule flog mir alles einfach zu. Schulische Probleme gab es „erst“ aber der 5. Klasse. Wie mir gerade auffällt fing mein Bruder etwa zu der Zeit mit dem Fußball an. Die Grundlage für alle Vergleiche war somit gelegt. Er glänzte grundsätzlich in allem was er anfing.

Meine guten Leistungen waren als Normal angesehen worden und an ein Lob von meinem Vater erinnere ich mich bis heute nicht. Nur die „Warum ist das eine 2+ und keine 1-?“-Fragen sind sehr präsent. Als die Leistungen auf dem Gymnasium dann ausbleiben galt ich schnell als faul. An Unterstützung, Regeln oder Hilfestellungen erinnere ich mich nicht. Was nicht automatisch heißt, dass es sie nicht gab.

Fakt ist, dass meine schulischen Leistungen nur in den Fächern gut waren wo ich nichts für tun musste. Lernen habe ich nicht gelernt. Von Anfang an hat sich bei mir der Glaube gefestigt, dass ich etwas entweder sofort kann oder direkt sein lasse. Das ist bis heute so geblieben. Ich vermeide vieles bei dem ich nicht davon überzeugt bin, dass ich es wirklich kann. Dass man nicht als Profi auf die Welt kommt und üben und arbeiten muss will mir selten in den Kopf.

Das lässt sich z.B. auch einfach an der Klausur zeigen. Ich möchte nicht antreten solange ich nicht der Meinung bin, dass ich (sehr) gut bestehen werde. Am liebsten würde ich den Termin wieder schieben. Der Druck es zu tun ist definitiv da. Mittlerweile gebe ich nur nicht mehr so viel nach wie früher. Ich weiche nicht mehr so häufig aus und nehme wichtige Termine wahr. Auch, wenn ich mich nicht perfekt vorbereitet fühle…

Und das ist es eigentlich. Dieses perfekt vorbereitet sein. Dieses vorher ganz genau wissen was mich erwartet und dem gewappnet sein. Und natürlich alles super gut können! 😀

Wie Madame Frech schon meinte… der Reha-Sport ist ein super Übungsfeld. Beim zweiten Mal war ich schon um einiges entspannter. Meine Ansprüche an mich sanken und das wiederholte „jeder in seinem Tempo“ war beruhigend. Lediglich als sie das böse Wort „Zirkeltraining“ in den Mund nahm wurde mir schlecht und die schönsten Sportunterricht Assoziationen kamen mir. Im Endeffekt war es aber nur halb so schlimm.

Die nächsten 48x werde ich wohl vermutlich auch überleben.

In letzter Zeit bestätigt Madame Frech immer mal meine Fortschritte. Erwähnt, dass es ja schon besser geworden ist. Dass ich nicht mehr ausweiche und dass es gut ist wie ich mir auf die Schliche komme. Manchmal erscheint es also fast als hätte das ganze doch Erfolg 😉

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3 thoughts on “Therapie – 15.06.11

  1. Mir kommt da einiges bekannt vor. Wenn ich denn eine 1- mit nach Hause brachte hieß es „warum denn keine glatte 1?“.
    Für etwas lernen habe ich nie getan. Ich war auch immer der Meinung, das ich es entweder kann oder nicht. Wenn ich es in der Schule nicht verstanden habe, wie denn dann zu Hause? Aber tut gut zu lesen, das man sich das abgewöhnen kann.

  2. Pingback: Kannst du eine Katze malen? « das Leben einer etwas anderen Kleinfamilie

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