Du. – Abschied.

So wirklich habe ich gerade nicht das Bedürfnis diesen Text zu schreiben. Generell aber irgendwie schon. Es muss sein. Irgendwie muss das Ganze einen Abschluss finden, wenn du mir schon nicht die Möglichkeit dazu gibst. 

Du hast den Kontakt abgebrochen. Nach einer weiteren langen Phase des Schweigens hast du mir geschrieben, dass du es nicht mehr kannst. Dass es dir das Herz zerreißt mich zu sehen und dass du bleiben wollen würdest, wenn du mich noch mal triffst. Du wünschst mir Glück und dass mein Herzmann mir all das gibt, was du nicht konntest. Ich hätte es verdient.

Ja… danke. Aber du gibst mir nicht mehr die Möglichkeit meinen letzten Wunsch anzubringen. Zu erfahren, wenn etwas mit dir passiert. Wenn ich schon nicht an deinem Leben teilhaben darf, warum nicht an deinem Sterben? Klingt das unverständlich? Ich würde einfach gerne erfahren, wenn es so weit ist. Mich verabschieden, dich besuchen. Ernsthaft. Ich habe meinen Wunsch ins Off geschrieben… und vielleicht hast du es gelesen. Vielleicht wirst du meinem Wunsch gerecht und hast meine Daten bei deiner Mutter hinterlassen. Ich würde es mir wünschen. 

Ich vermisse dich. Aber auf eine ganz andere Weise als noch vor ein paar Wochen. Du bist weit, weit weg. Als wäre es schon Monate her. Aber ich vergesse Menschen nicht, die mir mal etwas bedeutet haben. Und das hast du nun mal. Völlig unabhängig davon, dass ich jetzt verdammt glücklich bin. Sehr glücklich. Glücklicher als ich es mit dir je war und geworden wäre. Unbeschwert glücklich.  Aber ich verdanke es auch dir. Denn du wolltest es so. Du wolltest, dass ich mich umschaue, sonst hätte ich es nicht getan. Ohne dich hätte ich ihn nicht kennengelernt. Und dafür würde ich dir danken wollen. Doch schätzungsweise würdest du es nicht hören wollen. Denn bei all den Schmerzen die du mir (unbeabsichtigt) bereitet hast, war da auch immer dein Schmerz. Und im Gegensatz zu meinem, wird dieser nun nicht weggewischt und überstrahlt. Du bleibst alleine. Mit dir und deiner Erkrankung. Dabei hättest du es auch so sehr verdient. Jemanden an deiner Seite, der für dich da ist. Der diesen schweren Weg mit dir geht. Doch selbst wenn es diese Person gäbe… würdest du es zulassen? 

Ich leide mit dir… und ich werde es wohl auch immer tun. Jedesmal, wenn der MS-Werbespot läuft, denke ich an dich. Letztens, beim Stern TV Bericht über ALS musste ich schlucken. Es wird immer so bleiben. 

 

Du bleibst in meinem Herzen.

 


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11 thoughts on “Du. – Abschied.

  1. Liebe Svü,

    dieser Eintrag von dir gefällt mir besonders gut. Es hat mich sehr berührt, zu lesen wie du denkst und fühlst. Die Art, wie du geschrieben hast, verdeutlicht deine Zuneigung und aber auch die Differenzierung die uns immer wieder so schwer zu Leben scheinen lässt. Zuneigung ist eben nicht gleich Zuneigung….Sehr bemerkenswert. Ich wünsche der Person um die es hier geht, viel viel Kraft und dir liebe Svü wünsche ich von Herzen sehr, dass dein Wunsch in Erfüllung geht.

  2. Ich glaube, es ist sehr, sehr schwer, jemandem dem man mag nicht das geben zu können, was er sucht. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie er, abgesehen von der schlimmen Erkrankung. Und so sehr er sich auch für dein Glück freuen mag, sitzt der Schmerz mit Sicherheit sehr, sehr tief.
    Ich denke, das einzige, was hilft, hast du bereits getan. Denn man merkt beim Lesen, das deine Worte nicht so daher gesagt sind, sondern von Herzen kommen.
    Ich hoffe, das die Person, an die dein Beitrag gerichtet ist, die Kraft findet, mit sich selber und dem, was passiert ist, seinen Frieden zu machen.
    Und dir, liebe Svü, wünsche ich, das dein Wunsch, so traurig und schmerzhaft auch sein Ursprung sein mag, in Erfüllung geht.

      • Dann solltest du ihm den Link, wenn möglich, einfach zukommen lassen. Es ist manchmal einfacher, es in dieser Form aufzuschreiben, als es der Person selbst zu sagen…

        • Dazu habe ich leider nicht die Möglichkeit. Er hat jede Kontaktmöglichkeit abgebrochen. Ich schätze der Link würde nur ins Leere gehen. Abgesehen davon glaube ich, dass es ihn nicht weiter interessiert. Jeglicher Kontakt mit mir tut ihm weh.

          • Wie gesagt, ich kann mich teilweise in seine Situation rein versetzen und bin mir sicher, das sogar jeder Gedanke irgendwo weh tut. Aber dennoch glaube ich auch, das er sich den Kontakt auf eine Art und Weise sogar wünscht. Auch, wenn das in ihm vielleicht nur falsche Hoffnungen weckt.

          • Falsche Hoffnungen? Er hat mich verlassen. Und davor schon mit allen Mitteln weit von sich gestoßen. Immer wieder. Wieso sollte ER sich da falsche Hoffnungen machen? Ich weiß es nicht… ob es jetzt eine gute Idee wäre… so viele Wochen nachdem ich das letzte Mal was von ihm gehört habe… selbst auf meine „letzte Wunsch“-SMS hat er ja nicht geantwortet… und eigentlich ist es ja irgendwie sein Wunsch gewesen nichts mehr von mir zu hören…

  3. Pingback: Rückblick – Juli « Willkommen in der Svüchiatrie!

  4. Möglicherweise war das Ignorieren auch nur ein Versuch, sich selbst zu schützen, weil er mit der ganzen Situation nicht mehr zurecht kommt… Ich weiß es natürlich nicht genau und kann es nur erahnen. Aber ich bin mir sicher, das für euch beide die Situation sehr schwer und kraftraubend sein muss :S

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