Wohin?

Wohin will ich? Was will ich? Wie soll mein Leben aussehen?! 

Ich erwecke häufig glaub ich den Eindruck als wüsste ich es. Oder zumindest bilde ich es mir ein. „Gesund werden.“ Studium abschließen. Als Psychologin arbeiten. Eine intakte Beziehung führen. Meine Wohnung im Griff haben und meine sozialen Kontakte führen. Klingt doch super, oder? Es klingt nach Plänen, nach Zielen, nach Fortschritt.

Da ist die Therapie, die Betreuung, der Rehasport, das Studium, die Gedanken zum Praktikum. Da sind mein Herzmann und meine Freunde. Da ist ein Rahmen. Da sind Möglichkeiten. Eigentlich alles in trockenen Tüchern…

Doch im Moment würde ich so gerne ausbrechen. Aus allem.  Der Gedanke an die Therapie nervt mich. Was bringt sie bitte? Kommen wir weiter? Was hat sich denn bisher geändert? Wie soll es weiter gehen? Ich habe kein gutes Gefühl vor der nächsten Sitzung. Schon wieder nicht. Aber vllt. ist das einen eigenen Artikel wert. 

Bei der Betreuung hängt es gerade auch irgendwie. Nicht an ihr, sondern an mir. Wir haben wie gesagt keinen Plan, arbeiten an akuten „bekomme ich nicht alleine hin“ Baustellen… und immer häufiger frage ich mich: Bekomme ich das wirklich nicht alleine hin, oder will ich es nicht hinbekommen? Es wäre möglich das Rad in die Bahn zu packen und sich selbst um die Reparatur zu kümmern. Aber es erscheint so viel besser das mit D. zu machen. Mit dem Auto. Aber sollte dafür unsere Zeit drauf gehen? Gäbe es nicht wichtigeres zu erledigen? Und wenn ja… was? Wo soll es hingehen? Wie können wir Stabilität erzeugen? Nein… wie kann ich es tun und sie mir bei helfen… Was erhoffe ich mir für die nächsten Wochen und Monaten von der Betreuung…? Gerade jetzt, wo wir einen neuen Hilfeplan schreiben müssen, weil das Jahr fast herum ist… Wo soll es hinführen?

Dann der Rehasport. Ich fühle mich dort nicht wohl und ich werde auch heute wieder nicht hingehen. Das tut mir sehr leid für Joey und wenn ich sie heute online gesehen hätte, dann hätte ich ihr das auch erklärt. Irgendwie fühle ich mich dort fehl am Platz. Nicht richtig behandelt. Körperlich nicht für mich gedacht. Nicht passend. Beim letzten Mal konnte ich einen Großteil der Übungen nicht machen, weil mir die Arme zu sehr weh taten. Das kann es doch nicht sein, oder? Und dann denk ich mir, dass ich mir etwas anderes suchen muss… und bekomme das Gefühl, dass ich mich immer nur „gut“ fühle, wenn ich auf der Suche bin… nicht aber angekommen. Einen neuen Rehaverein suchen… bedeutet Arbeit… und es bedeutet „nicht weiter kommen können“… aber es bedeutet auch, dass ich nicht aktiv etwas tun muss. Und dann lande ich wieder an diesem Punkt an dem ich denke… „du bist faul… du willst nichts tun… du willst nicht ackern müssen, es soll einfach so funktionieren“… denn alles wo ich etwas tun muss macht Druck… Angst…. ungewisse Situationen… sie wecken das Bedürfnis nach Rückzug…

Heute habe ich meinen Zahnarzttermin einfach verschlafen… So wie früher. Weil ich keine Lust? Kraft? hatte auf eine neue tolle Botschaft, wieso ich immer latente Schmerzen habe… Es erschien mir leichter mich einem unangenehmen „Wieso sind sie nicht aufgetaucht?“-Gespräch zu stellen. Doch jetzt wirkt auch das schon wieder zu groß… und ich weiß, wenn ich da nicht die Kurve kriege… dann „muss“ ich mir irgendwann wieder einen neuen Zahnarzt suchen, weil ich mich nicht mehr traue hinzugehen… Es scheint als würde ich es mir mit Absicht schwieriger machen als es sein müsste… der Termin hätte sicher keine halbe Stunde gedauert… die Gedanken darüber dauern nun schon wieder länger…

Das Studium… möchte ich es? Ja, natürlich. Aber was bin ich bereit dafür zu tun? Und wie schnell gebe ich mich Ausreden hin? „Es geht halt nicht.“ Geht es wirklich nicht, oder bin ich einfach nur nicht bereit alles – auch mir mögliche – dafür zu geben? Es fliegt einem halt nichts zu. Alles ist mit Arbeit und Anstrengung verbunden. Aber weiche ich dieser nicht vielleicht einfach konsequent aus? Oder warum sonst erscheint mir ein einfaches Praktikum schon so grausam?

Und ist es nicht schon bezeichnend, dass ich gerade „lieber“ Hunger als bei dem Wetter eben schnell einkaufen zu gehen? Weil es für mich selbstverständlich ist bei diesem unbequemen Wetter, unbequemes nicht zu tun? Bin ich vllt. doch einfach zu bequem für diese Welt? Und vllt. bin ich doch einfach nur für ein „Ach, bis dahin bin ich Chef und du brauchst gar nicht mehr arbeiten“-Leben geschaffen, obwohl ich doch immer behaupten würde, dass ich niemals von jemandem abhängig sein möchte… aber das wäre der wirklich einfache Weg… 

Und jetzt… jetzt wird es mir schon zu anstrengend drüber nachzudenken… 

Advertisements

6 thoughts on “Wohin?

  1. Ich weiß gar nicht, was ich schreiben soll. Bewundernswert, das du bei so einem Berg von Sorgen und Gedanken noch den Elan hast, hier zu schreiben. Ich glaube, ich würd nur im Bett liegen und an die Decke starren.

    • Naja… normal brauche ich 6 Stunden Schlaf… in den letzten beiden Wochen… habe ich häufig das doppelte geschlafen… noch mehr im Bett liegen ging nicht 😉 Mal davon abgesehen würde ich behaupten, dass die meisten Artikel vor diesem hier… eher seicht waren und davon zeugten, dass ich eben KEINE wirkliche Energie zum Schreiben habe…

  2. Auch wenns dir nicht weiterhelfen wird: Diese Gedankengänge sind mir zu bekannt. Ich frag mich auch total oft, ob ich etwas wirklich nicht kann, oder ob ich einfach.. zu bequem geworden bin, es einfach mal zu versuchen, weil ich weiß, dass es auch einen für mich leichteren Weg gibt, wie z.B. dass ich Martin vorschicke oder sage „Ich bin krank, das geht bei mir einfach nicht“…
    Andererseits muss ich mir aber dann wieder eingestehen, dass vieles wirklich nicht geht, wenn ich mich mal „dazu herablasse“ und es versuche.. was mich dann noch mehr ärgert.

  3. Ich versuche einfach, mehr im Hier und Jetzt zu leben. Anstatt mir dauernd Gedanken über eine Zukunft zu machen, die ich sowieso nur marginal beeinflussen kann. Die Tage, die ich jetzt habe, besser zu nutzen, anstatt über genau das zu Grübeln, womit du deinen Artikel einleitest. Denn, wie ich neulich in einem schönen Text gelesen habe: Das „wenn ich groß bin“ kommt nicht. Es gibt kein Ziel im Leben (man kann sich natürlich persönliche Ziele setzen, aber das Leben als solches hat kein Ziel, außer es zu leben) und ganz ehrlich, es wird so oder so weitergehen, ob wir uns nun den Kopf zerbrechen oder nicht. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, sondern nur unterschiedliche Wege.
    Ich weiß nicht, ob ich hier gerade wirres Zeug schreibe. 😉 Und vermutlich hilft es dir gerade auch nicht wirklich weiter. Aber vielleicht verstehst du ja ein bisschen, was ich meine.

    • Ja, ich verstehe schon was du sagen willst. Aber ich denke auch, dass man das so nur sagen kann, weil man in einem einigermaßen sicherem Rahmen lebt… Du weißt zumindest, dass du die nächsten Monate noch einen Job hast und somit konsequent etwas zu tun hast. Deine Beziehung ist langdauernd und gefestigt und generell machst du auf mich einen Eindruck als wäre es zum Großteil „stabil“. Verstehst du? Du hast Perspektiven… und mir fehlt irgendwie zum darauf hinstreben. Und sei es halt zu wissen „Gut, die nächste Betreuungssitzung ist jetzt dafür da die blöden Ebaykisten zu fotografieren….“ Es ist halt alles vage…. und mit einem „einfach leben“ komme ich persönlich gerade nicht klar 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s