Keine Wahl.

Nun ist es so weit. Mein Körper lässt mir keine Wahl mehr. Der Schweinehund will bekämpft werden. Nein, eigentlich will er nicht. Er muss. Endgültig. Unwiederbringlich. Egal was die Motivation dazu sagt. Die hat einfach nichts mehr zu melden. Es geht nicht mehr anders. 

Ich habe mir neue Klamotten bestellt. Das tue ich hin und wieder mal, weil ich Umkleidekabinen hasse und weil ich beim Katalog meines Vertrauens immer finde was ich brauche, meine Größe kenne und mir sicher sein kann, dass die Armausschnitte passen. Das ist bei meiner Oberweite in den wenigsten Geschäften der Fall. Meistens stehen die Oberteile unschön ab. Nun gut, ich habe mir Klamotten bestellt. Unter anderem auch, weil mir aktuell nur noch eine Hose passt. Das hätte mir zu denken geben sollen. Hat es aber nicht. Erst als ich in die beiden bestellten Hosen nicht rein gepasst habe. Größe 46 und mein Hintern wollte sich nicht bedecken lassen. Sehr schön. 

Das und die unschönen Schwangerschaftsstreifen auf meinem Bauch – nein, ich bin nicht schwanger! – sprechen eine eindeutige Sprache. Ich bin fett geworden. Nein, nicht mehr mollig. Nicht mehr dick. Fett. Zumindest fühle ich mich so. Ich kann mich nicht mehr mit „weiblich“ rausreden. Oder mich auf meinen guten Proportionen ausruhen. Ich habe jede Form verloren. 

Es muss sich etwas ändern. Aber was und wie?

Ich ernähre mich nicht gesund genug. Aber kann man eine Ernährung einfach so komplett umstellen, wenn man schon Schwierigkeiten damit hat überhaupt regelmäßig zu kochen? Geht das so einfach? Würde das nicht viel Stress verursachen? So viel Stress, dass ich zu früh aufgeben würde?  Habe ich nicht eigentlich schon genug Belastungen? Würde ich das durchhalten? Wie viel ist also machbar und möglich? 

Mal davon ab, dass es allein natürlich nichts bringen würde. Ohne Bewegung wird sich da nichts tun. Und ich bin ja nun mal wirklich eine faule Sau. Ist mir auch am Wochenende wieder aufgefallen. 😉 Also gut. Wir müssen uns bewegen. Aber wie? Ganz ernsthaft. Von einfach jeden Tag ein bisschen spazieren gehen halte ich wenig. Es ist so ziellos. Ich brauche eine Aufgabe beim Bewegen. Fürs Cachen laufen. Okay. Aber selbst da gibt es im Moment Probleme. Und das soll nun wirklich nicht nach Ausreden klingen. 

Aber wenn die einzige Hose die man zum Cachen anziehen kann – weil die einzige wirklich passende Hose zu schade dafür ist – nur noch aus Fetzen besteht… und man sie nur mit viel zu kleinen Strumpfhosen tragen kann… dann läuft man sich schnell nen Wolf… das tut weh… nimmt jeden Spaß… und demotiviert was das Weiterlaufen angeht. 

Also… einfach laufen fällt raus. Was dann?

Wieder schwimmen. Definitiv eine Option. Gerade wenn ich beim Herzmann schlafe könnte es gut funktionieren vom Zug aus direkt ins Schwimmbad zu gehen. Denn das Rausgehen/Losgehen ist ja eins der Probleme. Wenn ich bei ihm um nach 6 Uhr in den Zug steige… stehe ich um kurz vor 7 Uhr am Schwimmbad. Pünktlich zum Öffnen. Ich schwimme gerne und habe diesen Monat auch das Geld dafür. Aber ist das nicht vielleicht etwas einseitig?

Auch wenn man es nicht glauben mag…. ich mag Sport eigentlich. Er ist nur immer anstrengender geworden. Fast 95kg durch die Gegend schleppen ist halt mühsam. 😉 Ich habe früher Badminton gespielt. Im Verein. Später im Uni-Sport. Mittlerweile habe ich seit 6 Jahren keinen Schläger mehr in der Hand gehabt. Es fehlt mir & ich war verdammt gut. 😉

Ich habe z.B. mehrfach mit Step Aerobic angefangen. Und es war mir leider immer zu schnell, aber ich habe es gern gemacht. Mir haben so Kurse Spaß gemacht. Wobei, nein. Mir hat die Bewegung Spaß gemacht. Der Aufbau, die Choreographie. Der klare Ablauf, die Vorgaben und das Erfüllen dieser. Es ist wie Haken an einer Liste machen. 😉 Problem an so Kursen: Die Geschwindigkeit. Ich brauche etwas länger um Dinge umsetzen zu können. Da wird selten Rücksicht drauf genommen. Eigentlich so gut wie nie. Ich komme nicht mit dem Gefühl klar beobachtet zu werden. Das ist generell schon schwierig (wird aber besser), wenn es um Sport geht allerdings sehr belastend. Beim Schwimmen geht das, da man sich die meiste Zeit ja unter Wasser befindet. Der Weg bis zum Becken ist allerdings unschön. Aber machbar. 

An Land ist das anders. Um es mal ganz deutlich zu sagen. Es sieht einfach nicht schön aus, wenn sich knapp 100kg unbeholfen, schwabbelig bewegen. Das weiß man ja nun mal. Das sehe ich oft genug selbst. Und ich werde da keine Ausnahme darstellen. Es beeinträchtigt mich so sehr, dass ich mich nicht auf die Übungen konzentrieren kann und damit noch langsamer bin. Das Unbehagen steigt. Deswegen mag ich so Kurse nicht. Auch der Weg dahin ist wieder so ein Punkt. Losgehen. Rausgehen. Die Motivation ist natürlich noch geringer, wenn man weiß, dass einen Unbehagen erwartet. Also nicht die beste Lösung, wenn der Schweinehund so groß ist. 

Vor 2 Wochen bekam ich die Zusage für einen Produkttest. Ich darf 4 Wochen lang ein Online-Fitnessstudio testen. Nachdem ich mich dann die ersten 2 Wochen noch mit meinem „Ich darf ja nicht“-Argument gedrückt habe, habe ich am Freitag dann doch mal reingeschaut. Ein paar Einführungsvideos. Einen interessanten Mini-Kurs namens Schreibtischfit. Und generell einen Überblick verschafft. Auch die Yoga-Kurse möchte ich mir noch anschauen bevor die Testphase abläuft. Heute habe ich dann noch einen spontanen Anfall gehabt und mir einen „Bauch, Beine, Po“-Kurs „angetan“. Ich habe nur 20 Minuten durchgehalten, aber es hat Spaß gemacht. Im eigenen Wohnzimmer rumturnen. Ohne beobachtet zu werden. Auf Pause drücken, wenn man was trinken will. Auch der Kursleiter ist sehr sympathisch. 

Ich habe drüber nachgedacht den Anbieter über den Produkttest hinaus zu nutzen. Theoretisch wäre das finanziell auch möglich, nicht unbedingt ideal, aber möglich. Bisher war aber niemand so begeistert von der Idee. Ich könnte mir die Videos auch über Youtube anschauen. Oder: Ich soll meinem Unbehagen nicht ausweichen. Unter Menschen gehen. 

Und dann stehe ich wieder vor der Frage: An wie vielen Baustellen kann man gleichzeitig arbeiten? Soll/Kann/Darf ich mir den Sport erschweren um nicht auszuweichen? Soll ich mir den Sport so einfach wie möglich machen, Hauptsache ich mach es?

Prioritäten. Immer wieder Prioritäten. 

Und so wirklich habe ich keine Ahnung was ich tun soll.

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8 thoughts on “Keine Wahl.

  1. Schwimmen – und regelmäßig.

    Für die Gelenke ideal und gar nicht einseitig – denn erstmal sollte es um Kondition gehen und um Regelmäßigkeit reinkriegen – naja – und ums Gewicht.

    Schwimmen, Ergometer und Nordic Walking sind die drei Sportarten die dafür am besten geeignet sind.

    Und einseitig ist es überhaupt nicht – im Gegenteil – beim Schwimmen wird der ganze Körper trainiert.

    Übrigens hat mir anfangs geholfen das Therapeut und Betreuer immer nachgefragt haben ob und wie oft ich schwimmen war /Sport gemacht hab – und wenn eben nicht, das zum Thema gemacht wurde – das warum ging es nicht.

    Schon allein deshalb rafte ich mich dann auf, um das zu vermeiden und die doch viel wichtigeren Themen anzugehen.

    Ansonsten: ja es kann jetzt zu viel sein sich drum zu kümmern, was aber bedeutet, du musst dann erstmal einfach damit leben – ging mir Jahre so.

    Bis dahin: größere Klamotten (und wenn du dich dazu überwinden kannst – bei Ulla Popken oder Happy Size gibt es schon tolle Sachen 😉 und man kann ganz problemlos zurückschicken – und ich kann dich da auch werben und dir den Gutschein den man für kriegt geben).

    Eine Hose die nicht passt ist KEINE Ausrede fürs nicht losgehen. Denn dem kann abgeholfen werden. Von daher als erstes eine passende Hose besorgen!

    • Ich meinte auch nicht nur einseitig was die Muskulatur angeht… sondern auch was die Abwechslung für mich angeht. Denn an sich mag ich ja schon aufregenden, abwechslungsreichen Sport. So wie das Programm halt in dem Studio aufgebaut ist. Aber du bist ja eh schon auf nem neueren Stand als alle anderen hier *g*

      Ich habe auf jeden Fall gerechnet… und ich könnte ab November 2x die Woche schwimmen gehen ohne pleite zu gehen. Es sei denn ich hab irgendwas übersehen… *gg*

      Das mit den größeren Klamotten ist aber echt so ne Sache… dafür Geld ausgeben? >.<

  2. Da hat Ilana absolut recht. Zuerst neue Hosen bestellen. Und dann hübsch regelmäßig das cachen pflegen. Wenn möglich schwimmen gehen, denn das ist einfach ein perfekter Sport zum Abnehmen und besser-im-Körper-Fühlen. Aber zusätzlich vielleicht ein Fitnessvideo? Ich mach damit immer ganz gute Erfahrungen, im eigenen Wohnzimmer allein zu sporteln ist eifnach nicht so peinlich wie da draußen. Geld für ein Online-Fitnessstudio würde ich nicht ausgeben, viel zu riskant! Am Ende machst dus dann doch nicht und dann ist es rausgeschmissenes Geld. WEnn es die Videos auch auf youtube gibt, umso schöner! Dann eifnach damit arbeiten für den Anfang. Hauptsache ist so udn so, irgendwas zu machen. Was ist doch primär egal. Hauptsache ein Haken alle Tage bei Bewegung (sprich Spazierengehen und Cachen) und alle paar Tage bei Sport (Schwimmen, Videos).
    Und klar, es gibt viel zu viele Baustellen. Aber wenn die Körperbaustelle weniger wird, setzt das Motivation für andere Baustellen frei. Und man selbst fühlt sich so viel besser, es lohnt sich einfach!

    • Naja… ne Fitness-DVD wäre einfach immer wieder der gleiche Text. Drehe ich irgendwann durch. Wenn ich auch die gleichen Übungen mache… dann doch bitte wenigstens individuelle Ansprache *gg* Ich merke gerade bei dem Online-Studio, dass genau das mich motiviert… das persönlich angesprochen werden. Der Trainer sagt z.B. immer „du“ nie… „ihr“… das ist soviel angenehmer… Was das rausgeschmissene Geld angeht überlege ich halt, ob nicht genau das eine Motivation wäre… aber nun bin ich erst mal bis zum 13.11. Probemitglied… das ist eine ziemliche Zeit um zu schauen ob ich durchhalte. Vor allem weil ich in der Zeit auch zweimal weg bin… Wäre interessant ob ich es da trotzdem mache… und/oder wenigstens vor Abreise… 🙂 Ich bin nach wie vor kein Spaziergeh-Freund 😀

  3. Oh ich kann ich sehr gut verstehen!
    Mein Arzt sagt mir immer wieder, dass Bewegung gut tun wird und so was. Aber hier in der Umgebung habe ich alle Caches abgegrast und ich habe weder Busticket (noch Geld dafür) und auch kein Auto. Wo soll ich also bitte hin? Ohne Ziel laufen macht eben keinen Spaß. Und schwimmen ist unmöglich, weil ich eine Verletzung am Zeh habe, die vermutlich auch noch einige Zeit zum verheilen brauch…und damit in Chlorwasser? No Way…
    Ich versuche aber meinen Freund immer wieder dazu zu überreden mal ein wenig mit mir spazieren zu gehen. Er hat das Auto und den Führerschein. Also können wir zwischendurch auch mal laufen.
    Aber danke für die Idee mit den Videos bei youtube, die muss ich mir mal angucken.
    Und mein Tipp für dich: Passende Kleidung kaufen (am besten billig, weil du sie ja eh nicht lange tragen möchtest 😉 ) und dann auf jeden Fall schwimmen gehen. Vielleicht hast du Glück und morgens um 7 Uhr sind da eh nur Sportschwimmer, die nur auf sich selbst und ihre Bahnen achten und nicht auf ihre Umgebung. Ich drück dir die Daumen!

    • Willkommen 🙂

      Eine Essener Cacherin? Sehr cool 😀

      Morgens um 7 Uhr hab ich hier im Schwimmbad leider fast ausschließlich Treibholz. Also Menschen jenseits der 70, die mehr treiben als schwimmen und am liebsten mitten in der Bahn einfach stehen bleiben. Denen zu sagen, dass sie da nix zu suchen haben überfordert mich allerdings schon wieder. Also muss ich Slalom schwimmen. An manchen Tagen kann ich da gut drüber wegsehen. An anderen macht mich das schon gut fertig… und setzt mich unter Druck. Jetzt Dienstag war es okay.

      Ich könnte dir den Probe-Code für das Online-Studio mehr Mail schicken. Da könntest du dann zumindest 4 Wochen sporteln 🙂

  4. Ich habe mich schon lange nicht mehr zu Wort gemeldet…und lese jetzt gerade sämtliche deiner Beiträge. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass ich es total klasse finde, wie du deine momentane Gefühle, dein Leben so einfach und real beschreiben kannst. Toll. Gerade dieser Beitrag hab bei mir so einiges Kopfnicken bewirkt…“Ja, dass kenne ich!“

    Ich müsste meinen Hintern auch mal in Richtung Schwimmhalle bewegen. Schwimmen tue ich auch gerne. Das Problem…erstmal dahin…mit der dicken fetten Tasche zur Straßenbahn wackeln,dann wohlmöglich lange auf die Tram warten..im Winter trägt man eh schon 8 Kilo Klamotten an sich… wohl möglich eine vollgestopfte Bahn erwischen…und dann das nasse Zeugs wieder Heim schleppen, mit eben genauso wenig Glück, nicht lange auf die Bahn warten zu müssen oder freie Bahnen zu bekommen…das ist das, warum ich mein Hintern nicht hochbekomme um entweder ins Schwimmbad oder ins Fintesstudio zu gehen….

    • Fitnessstudios mag ich ja eh schon mal gar nicht…

      Ich kenn das aber. Wäre mein Schwimmbad nicht zu Fuß zu erreichen wäre das echt übel. Aber selbst das tue ich ja nur, wenn ich sowieso aus Versehen vorbeikomme… :/

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