Erwachsen.

… oder wie Tialda schon treffend formulierte: „Gehirnwäsche oder die Welt mit anderen Augen sehen.“

… oder ein Rund-um-Schlag über die letzten „stillen“ Wochen…

Und plötzlich ist es so weit. Plötzlich fällt es mir auf. Ich habe mich verändert. Es hat in meinem Hirn Klick gemacht. Ich glaube ich bin nun erwachsen. Merkwürdiges Gefühl.

Und jetzt wo ich das schreibe kommt es mir schon wieder nicht mehr so vor. Denn mir fehlen plötzlich die Erklärungen, obwohl ich die letzten Tage öfter darüber geredet habe. Es ist halt irgendwie ein Gefühl. 

Meine Prioritäten haben sich geändert. Meine Ansichten. Meine (Weihnachts-)Wünsche. Ja, genau. Gerade meine Weihnachtswünsche haben mir gezeigt, dass irgendwas anders ist. Ich möchte Küchenutensilien und Sportartikel. Praktische, nötige Dinge. Dinge die mich bei meinen Plänen unterstützen und nicht davon abhalten. 

Und ich habe Pläne. Ich verschließe nicht mehr komplett die Augen vor der Zukunft. Ich denke – zumindest im Kleinen – weiter. An eine Zeit ohne Amt. An kleine Schritte auf das Amt zu. Es macht mir nicht mehr so viel Angst. Angst, ja. Aber nicht mehr so wahnsinnig erdrückend. Es gibt Perspektiven und ich bin nicht alleine damit.

Wie gestern schon geschrieben: Ich habe keine Angst vor dem Leben ohne Therapie. Und es geht noch weiter. Ich habe auch keine Angst vor dem Leben ohne Tabletten. Seit 4 Wochen nehme ich nur noch die halbe Dosis. Ab nächste Woche reduziere ich weiter. Anfang/Mitte Januar müsste ich Clean sein. Und bisher geht es mir gut damit. D. wirft ein Auge auf mich, meine Therapeutin macht drei Kreuze und meine Psychiaterin? Die weiß davon nichts. Sie wollte eine Tablettenumstellung. Ich nicht. 

Ja, daran sieht man: Es gibt noch Baustellen. Ich weiche Konflikten immer noch gerne aus. Konfrontiere die Zahnärztin die meine Zunge lahmgelegt hat nicht – sondern entwickel nur Mordphantasien. Ich habe keine Ahnung wie ich meiner Psychiaterin sage, dass ich aufgehört habe, wenn ich es denn dann sagen muss. Und ich fahre Weihnachten lieber weg, als meinem Vater zu sagen, dass heile Familie spielen unter seinem Baum einfach keine Option mehr für mich ist.

Ich schiebe unangenehme Dinge vor mich her. Aber! Nicht mehr so lange. Ich mache sie, wenn es nötig ist. Und ich mache sie ohne vor Angst zu sterben. Es sind Reste und es ist ein Anteil von Bequemlichkeit. Von „es gibt grad schöneres zu tun“. Ein wenig Gewohnheit vielleicht auch. Ich bin es gewohnt Angst zu haben in gewissen Situationen. Deswegen weiche ich ihnen aus. Bin ich dann erst mal drin, bin ich wesentlich entspannter als früher. 

Ich führe eine echte, wirkliche Beziehung. Unglaublich. Eine ganz schrecklich normale Beziehung. 😉 Und es ist so ungewohnt stabil alles. So ungewohnt einfach und unkompliziert und dennoch weit von langweilig entfernt. Es ist einfach gut so. 

Und es ist so vieles „einfach gut so“ in meinem Leben. Und ja, natürlich könnte es besser laufen. So vieles könnte besser laufen. Aber es wirft mich nicht um, dass es nicht so ist. Es wirft mich nicht zurück, wenn ich auf dem Zahnarztstuhl heulend  zusammenbreche und mal eben einfach nicht mehr kann und will. Spätestens am nächsten Tag ist die Welt wieder okay. 

Und es zerstört mich auch nicht, wenn ich nach 4 Wochen keine messbaren Veränderungen sehe, die der Sport verursacht haben könnte. Klar, es gibt schöneres als an allen Stellen noch mal 2cm zugelegt zu haben (vllt. sollte ich mir Messpunkte aufmalen… möglicherweise bin ich auch zu blöd zum messen :D), aber ich breche nicht in Tränen aus. Denn ich fühle mich besser. Entdecke manchmal eine erschreckend aufrechte Haltung (mitten in der Stadt, während ich grinsend durch die Gegend laufe…). 😀 Ich kämpfe mit dem Mittelweg zwischen „zu früh aufgeben“ und „nicht in den Schmerz trainieren“. Und auch wenn ich mal keine Lust habe. 10min aufwärmen tue ich auf jeden Fall. Das sind 10min mehr als früher. 😉

Ich habe mir tatsächlich eine Hose in Größe 48 bestellt. Die Augen davor verschließen hilft ja nichts. Gut, wenn die auch nicht passt, dann heule ich vllt. doch 😉

Meine Schwangerschaftsstreifen und ich freunden uns langsam an und als ich gestern meinen Badezimmerkram aufgeräumt habe (nach Monaten alles in einer Kiste stapeln!!!), habe ich eine Produktprobe gefunden, die unsere Freundschaft vllt. sogar vertiefen könnte. Auch wenn ich es immer noch ungerecht finde. Schwangerschaftsstreifen waren immer eines meiner Argumente nicht schwanger zu werden… und nun habe ich trotzdem das Vergnügen 😀

Ich entwickel hausmütterliche Anwandlungen und hoffe inständig, dass die Streifen wirklich nur einfach so aufgetaucht sind. 😉 Ich bin mit Kochplan einkaufen gegangen und habe die letzten 4 Tage gekocht. Teilweise sogar 2x am Tag. Wenn meine Küche nicht aufgeräumt ist, werde ich unruhig und räume sie auf. Der Herd muss frei sein! Jawohl. Und gleich nach diesem Artikel werde ich kochen. Und mindestens 2 Töpfe und eine Pfanne benutzen. Die ich vorher höchstwahrscheinlich – per Hand!! und freiwillig!!! – spülen werde. Krank, oder? 

 

Und ist das jetzt eigentlich „erwachsen“, oder „gesünder“? Oder beides? Egal. Es ist gut so.

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13 thoughts on “Erwachsen.

  1. Ob erwachsen, gesünder, ordentlicher oder verantwortungsvoller, ob gewollt, gekonnt oder elegant gelöst, das Wichtigste ist, das es gut ist 😉
    Schöner Artikel 🙂

  2. einfach schön! und dazu noch ein spruch aus einer bekannten tv-serie: „erwachsen wird man nicht einfach so, man muss sich dafür entscheiden!“ 🙂

  3. Das klingt sehr gut bei dir, und mal ehrlich, JEDER Mensch schiebt unangenehme Dinge ein Weilchen vor sich her (oder was glaubst du, wieso ich schon so lang nicht mehr beim Zahnarzt war)! Und wenn du schreibst, die Küche ist IMMER ordentlich, hast du in jedem Fall mir schon so einiges voraus! 😀

  4. Pingback: Rückblick – November « Willkommen in der Svüchiatrie!

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