Vergessen.

Heute haben wir mich für die Tagesklinik angemeldet. Das war so geplant und ist jetzt nicht sonderlich überraschend. Überraschend ist vielleicht, dass sich der diensthabende Arzt noch an mich erinnert hat, obwohl er mich bisher genau einmal gesehen hat. Und das war im Oktober 2009 bei der Anmeldung für den zweiten stationären Aufenthalt. Er hat sich an mich erinnert, jetzt natürlich nicht detailliert, aber ich scheine offenbar doch kein Allerweltsgesicht zu haben.

Das Gespräch lief gut, das Ergebnis ist die tatsächlich Anmeldung für die Tagesklinik und seine Befürwortung meines Plans, das vor der Arbeit noch zu tun. Das von offizieller Stelle zu hören war schon überaus angenehm. Denn selbst in diesem Gespräch fühlte ich mich stellenweise noch zu gesund für einen Klinikaufenthalt. Ihr kennt das ja. Speziell an der Stelle als ich meinte, dass mir mein Gedächtnisverlust massive Angst macht. Er fragte nach in wie fern und ich fing wahrscheinlich an einer eher ungünstigen Stelle an zu erzählen.

Ich erinnere mich nicht mehr an Details des letzten Jahres. Nun ja, das würde er auch nicht tun. Müsste man auch nicht. Etwas wirr versuchte ich ihm dann zu erklären, dass einem Dinge ja häufig wieder einfallen, wenn sie einem dann erzählt werden. „Hey… weißt du noch.. wir waren da im Wald… bei der Dose… und ich wollte nicht loggen, weil ich noch keinen Account hatte und habs mir später anders überlegt.“ Meiner Erfahrung nach kommt dann die Erinnerung. Es macht „klick“, Bilder sind plötzlich vor Augen und man erinnert sich wieder dran, das erlebt zu haben. Auch das wäre nicht unbedingt notwendig. Und kein Grund zur Sorge. Ich weiß nicht, ob er mich beruhigen wollte. Aber irgendwie hatte ich immer noch nicht gesagt was ich sagen wollte… „Es ist schwer zu erklären, sie stecken ja nicht in meinem Hirn… aber es ist anders… ich habe mich daran gewöhnt, dass mir ganze Jahre fehlen… aber die Zeiträume werden immer kürzer… “ Ich glaube da klingelte das Telefon oder er hat mich was anderes gefragt, jedenfalls haben wir das nicht weiter vertieft… Los lässt es mich natürlich trotzdem nicht.

Ja, das Vergessen macht mir Angst. Das „Siebhirn“ was ich hier immer mal wieder belächle macht mir wahnsinnige, unglaubliche Angst. Und wenn Freunde einen schon darauf hinweisen, dass das irgendwie bedenklich ist, dann erscheint mir das nicht weniger schlimm. 

Manchmal erinnere ich mich nicht an Gespräche die am letzten Tag stattgefunden haben. Ich erinnere mich nicht daran, dass mir jemand von seinem neuen Job erzählt hat und bin überaus überrascht, wenn ich es dann erfahre. Als hätte ich es das erste Mal gehört. 

Das ging mir häufig so mit Telefonaten. Mittlerweile ist es auch bei schriftlichen Angelegenheiten so. Ich weiß nicht ob ich etwas schon erzählt habe, ich erinnere mich bei Serien oder Shows nicht mehr wirklich daran ob ich es nun kenne oder nicht. Das ging mir bisher nur so, wenn ich 5 Staffeln hintereinander geschaut habe. Man hat den groben Zusammenhang im Kopf, aber für Details hat man es einfach zu schnell gesehen. Bei manchen Büchern habe ich das auch. Zu schnell gelesen. Nicht im Langzeitgedächtnis angekommen.

Mittlerweile ist das bei so ziemlich allem was ich tue so…

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10 thoughts on “Vergessen.

  1. Das man vieles, auch scheinbar wichtiges, wie den neuen Job eines Bekannten mal vergisst, kommt mir bekannt vor. Allerdings erinnere ich mich bei der zweiten Erzählung wieder an die Erste. Ist das bei dir wirklich so, dass du es wieder zum ersten mal hörst? Oder habe ich das falsch verstanden?

    • Ja, bei vielen Dingen kommt es mir so vor als hätte ich das noch nie gehört… bei manchen klingelt es dann auch irgendwann wieder… Ich kannte das jetzt schon aus „schlimmen Phasen“… also dass ich mich jetzt später nicht mehr daran erinnere was ich in den Phasen getan habe, aber dass es mir so aktuell, akut in der Gegenwart auffällt ist neu.

      • Ohje. Sowas hab ich auch noch nicht gehört bzw gelesen. Umso mehr wundert es mich, dass der Arzt sagt, es wäre kein Grund zur Sorge. Das klingt ja wirklich nach mehr als einer „Schusseligkeit“, wenn der Ausdruck erlaubt ist. Hast du schon daran gedacht, mal eine zweite Meinung einzuholen?

        • Naja, ihm gegenüber war das halt auch nicht so deutlich ausgedrückt… 😉 Abgesehen davon hat er mich ja jetzt genau 2x gesehen und Behandlung ist ja nicht seine Aufgabe. Er musste gestern nur einschätzen ob ich in die Klinik gehöre oder nicht.

  2. Ich hab ein kleines bisschen das Gefühl, dass Du Dir da noch ein bisschen mehr Gedanken drum machst, seit ich Dich darauf hingewiesen habe. Jedenfalls finde ich mich zu häufig in dem Text wieder ;P
    Also dass ich es bei Dir schon… bedenklich ist vllt das falsche Wort, aber teilweise schon merkwürdig finde, ist durchaus so. Du darfst aber auch nicht vergessen, dass es von einer Person kommt, die genau das andere Extrem ist, heißt, sich wirklich jeden Scheiß merkt. Ich bin da ganz sicher nicht der Maßstab, an dem man das messen sollte, weil ich von vielen anderen schon gehört habe,dass es krass ist, dass ich mich an Sachen oder gar Gesprächfetzen erinnere, die fünf oder sechs Jahre zurückliegen.
    Ich glaube nicht mal, dass es schlimm ist, so viel zu vergessen, so lange es keinen besonderen Grund hat. Vllt hat der Arzt da sogar recht & das ist normal. Zumindest solange nicht so was wie ein Verdrängungsmechanismus dahinter steckt. Ich kann aber Deine Angst verstehen, weil Du nicht weißt, woher das kommt & wieso.

    Achja: Die Dose war in der Stadt, nicht im Wald 😉

    • Ja… tu ich auch. Du darfst auch nicht vergessen, dass mein Hirn eigentlich ähnlich scheiße ist wie deins. Also was den überflüssigen Speicher angeht… ich merke mir sonst recht viel. Mittlerweile schlage ich Geburtsdaten nach… oder muss vorher im Log gucken was ich geschriebne habe…

  3. Hm… ich hoffe, dass sich das klären lässt und du zur Ruhe kommen kannst.

    Hast du vielleicht schonmal in die Richtung gedacht, dass du überstresst bist und dir deshalb unwichtige Sachen nicht merkst?
    Unser aller Gehirn entscheidet ja grundsätzlich, ob es diese oder jene Info noch länger speichern muss (weil es für einen selbst wichtig ist!!) oder direkt wieder vergessen kann.

    Ich habe natürlich keine Ahnung, wie drastisch das jetzt bei dir wirklich ist, aber vielleicht denkst du mal in die Richtung, dass du einfach momentan (seit geraumer Zeit) ja sehr mit dir selbst beschäftigt bist. Da sind einige – ich nenns jetzt einfach mal – Baustellen bei dir, an denen du arbeitest. Also persönliche Baustellen.
    Daneben gibts das Studium, was zumindest in Bezug auf diese eine Klausur, sehr viel Aufmerksamkeit (Auf-MERK-samkeit) in Anspruch genommen hat.
    Du bist einfach mit anderen Dingen, die dich selbst betreffen, beschäftigt.
    Da werden sicher einige andere Dinge einfach aus deinem Gedächtnis geworfen oder gar nicht erst langfristig gespeichert.

    Und ich befürchte – ist aber nur eine Laienmeinung – dass dich dieses Problem mit dem Vergessen so sehr beschäftigt, dass es dir solche Angst macht – und du dadurch noch viel sensibler in deiner Wahrnehmung des Vergessens wirst.

    Keine Sorge – ich kann deine Angst durchaus verstehen. Ich hoffe bloß, dass diese Angst dich nicht zu sehr in den Griff nimmt, sondern umgekehrt: du bekommst die Angst hoffentlich in den Griff!! Das wünsch ich dir jedenfalls sehr!!

    Liebe Grüße,
    Conny

    • Ja, ich denke… es wird diese Überforderung mit allem sein… aber es gefällt mir damit leider nicht mehr… 😉 Vor allem kommt es mir halt sehr drastisch vor… Sehr umfangreich.

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