Dünnhäutig.

Auch ohne darauf angesprochen zu werden, war es mir jetzt eigentlich schon eine ganze Weile klar: Ich bin schnell gereizt, nervlich ziemlich instabil und vor allem nicht immer nett. 

Letzteres tut mir in den meisten Fällen leid, in einigen nicht mehr so ganz. Gerade in den letzten Tagen habe ich auch 1 oder 2x ein Gespräch wirklich beendet, weil es mir zu anstrengend wurde. Weil ich nicht mehr hätte fair bleiben können. Weil ich gemerkt habe, dass ich es nicht weiterführen kann. Also habe ich mich für „Ruhe“ entschieden. Dummerweise fühlt diese Ruhe sich dann immer an wie Einsamkeit. 

Wie ich es auch mache ich fühle mich bescheiden. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass ich mich wieder für Medikamente entschieden habe? Ich weiß es nicht. Habe ich aber eigentlich. Dummerweise hat meine Ex-Neurologin die jetzt nur noch als Therapeutin arbeitet keinen Nachfolger. Und ein wenig Telefoniererei (D. hat telefoniert, ich kann das grad nur selten) hat einen Termin für Anfang August! bei einem Neurologen ergeben. Das sind noch mehr als zwei Monate… So hab ich nun halt zwar den Wunsch meine Medis wieder zu nehmen – die es ja auch wieder gibt – hatte ich das erwähnt? *grübel*, aber niemanden der mir die verschreibt. 

Auch von der Tagesklinik habe ich nichts gehört und ich frage mich mittlerweile wirklich ob sie die falsche Nummer haben oder meine Akte sich selbst gefressen hat. Zumindest den Termin fürs Vorgespräch hätte ich irgendwie früher erwartet… wobei ich fairerweise ja sagen muss, das ich nachschauen muss wann ich mich da überhaupt vorgestellt habe. Mein eigenes Zeitgefühl gibt das nicht her. Offensichtlich ist es „erst“ 3 Wochen her… Na gut. 

Mein werter Herr Papa hat mir heute am Telefon mehr oder weniger gesagt, dass er die Klinik als überflüssig und eine Art Flucht betrachtet. Ich würde das auch alleine schaffen. Das mag er jetzt zwar durchaus nett gemeint haben, weil er offensichtlich wirklich glaubt, dass ich mein Leben alleine auf die Reihe bekomme, das hilft mir letztendlich aber wenig. Ich habe mittlerweile verstanden, dass man ihm psychische Probleme nicht deutlich machen kann und somit belastet mich das auch nicht wirklich. Es macht mir im Gegenteil eher deutlich, dass ich gerade wirklich nur noch warte. Dass es nötig ist. Und dass ich eigentlich alles tue um Hilfe zu bekommen, aber trotzdem warten muss. Und ich begreife auch, dass ich zumindest eine Sache in der Therapie gelernt habe. Nicht ganz so passiv sein. Aktiver werden. Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wenn auch sicher noch nicht zum idealen Zeitpunkt, aber immerhin tue ich es. Nur die Situationen in denen ich nur passiv sein kann, die ertrage ich nicht. 

Aber groß eine Wahl habe ich in diesem Fall nicht. Mal davon ab, dass ich ein Fall für die Geschlossene werden könnte. Das würde das ganze beschleunigen, aber so drastisch muss es jetzt ja nicht sein, oder? ^^

Also sitze ich hier… mit meinem dünnen Nervenkostüm und frage mich in wie fern ich das den anderen noch zumuten kann. Denn ob ich das immer so im Gespräch mitbekomme ist die andere Frage. Mal davon ab, dass Kommunikation gerade eh ein Thema ist, dass einen eigenen Artikel verdient hat. 

Ich weiß nicht ob ich in der Lage bin zu unterscheiden ob meine Aussagen jetzt „nur“ drastisch sind oder auch berechtigt. Denn es gibt schon so den ein oder anderen den ich gerade gerne an die Wand klatschen möchte… und der auch nicht nur meine Nerven belastet. Dummerweise wird man dann gar nicht mehr so wirklich ernst genommen, wenn der Gegenüber das auf ein angespanntes Nervenkostüm schieben kann. Warum sollte man sich seine Fehler auch annehmen, wenn man einen anderen dafür verantwortlich machen kann. Vor allem wenn man demjenigen so leicht sagen kann, dass er überreagiert. *seufz*

Es gibt auch eine ganze Reihe „Probleme“ die ich einfach nicht als solche betrachten kann. Es tut mir leid, möglicherweise belastet euch das wirklich… mir erscheint das im Vergleich zum drohenden Suizid einer Freundin … dann einfach klein. Und im Vergleich zu dieser Hilflosigkeit. Und diesem Abwarten. Vermutlich bin ich gerade auch eine ganz schreckliche Freundin. 

Und irgendwie fehlt mir auch die Lösung.

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8 thoughts on “Dünnhäutig.

  1. Du bist sicher KEINE schreckliche Freundin!!

    Aber du – bei deiner Freundin mit Suizid-Absichten, wärst du bitte so gut und würdest _vorher_ die Polizei einschalten?!

    Conny

    • Wir haben in dem Fall so ziemlich alles eingeleitet was wir einleiten konnten. Das war absolut nicht von direktem Erfolg gekrönt und auch ziemlich frustrierend und ernüchternd. So wie es aussieht hat sie sich jetzt aber selbst dazu entschieden in die Klinik zu gehen.

      • Gut, ich bin soweit erstmal erleichtert, dass ihr geholfen wird. Also dass das nicht schön ist (die Gesamtsituation) ist mir klar, ich war lediglich innerlich alarmiert – es klang erstmal so als wäre sie allein und hätte da jetzt was vor… Danke für deine Antwort – ich wünsche ihr natürlich, dass sie ihr helfen können.

        Und dir schicke ich auch ganz viel Kraft, du Liebe!!
        Conny

  2. Svüchen, ich würde Dir jetzt gerne etwas, das unheimlich schlau und/oder unheimlich wohltuend ist, schreiben, aber irgendwie… Naja. Besch…eidene Situationen sind eben besch* Situationen.
    Ich drück‘ Dich virtuell *knuddel*.

    LG, Paula

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