Zeitgefühl.

Zum Einstieg mal zwei Tweets von gestern so um halb zwölf quasi.

 

Und in der Tat finde ich es mal wieder äußert erstaunlich und auch irgendwie unangenehm wie schnell die eigenen Ansprüche steigen. Wie wenig Zufriedenheit da ist, wenn plötzlich Dinge funktionieren die man vorher Jahre ! nicht so hinbekommen hat. 

Als ich das gestern geschrieben habe, hatte ich schon ausgiebig gefrühstückt und meine Tibeter gemacht. Auch eine seit Monaten!!! nicht angeschaute „Räum-ich-später-auf“-Tüte war bereits geleert und umsortiert. Noch vor wenigen Wochen hätte ich 3 Stunden nach dem Aufstehen vllt. gerade mal einen Kaffee getrunken. Wenn ich denn überhaupt um 11.30 Uhr schon 3 Stunden wach gewesen wäre!!! Aber für das Gefühl zählt das irgendwie nicht.

Das Gefühl registriert nicht, dass täglich frisch kochen so unglaublich viel mehr ist als ich bisher (für mich) getan habe. Dass es bis vor wenigen Wochen für mich überhaut nicht normal und alltäglich war, dass ich tatsächlich 3x am Tag esse und dass nichts davon mal eben eine aufgerissene Tüte ist. Dass ich teilweise 3 Stunden am Tag in der Küche verbringe und sie meistens sogar sofort aufräume. 

Das Gefühl registriert auch nicht, dass ich in der letzten Woche mehr Sport getrieben habe als in den letzten Monaten zusammen. Was ja nun mal auch Zeit kostet. Im Schnitt waren es wohl gute 45Minuten am Tag… 

Das Gefühl bemerkt einfach nicht, dass ich somit etwa 4 Stunden am Tag aktiv etwas tue was ich bisher nicht getan habe. Von all den Kleinigkeiten die auch funktionieren gar nicht geredet. Vom Einkaufen, obwohl man nicht will. Vom in die Stadt gehen, obwohl man nicht will. Vom jedes Mal dafür aufhübschen, obwohl es ja auch Zeit kostet. Ich bin soviel aktiver als noch vor ein paar Wochen und habe trotzdem das Gefühl auf der faulen Haut zu liegen.

Das Gefühl bemerkt andere Dinge. Es hat das Gefühl, dass heute Sonntag ist. Weil es ihm so merkwürdig erscheint wie viel seit gestern Mittag schon passiert ist. Weil es so viel erscheint, wenn man dann Abends sagen kann „Ich habe einen Kuchen gebacken.“ Und man auch trotzdem gekocht hat. Und Erdbeeren geschnitten hat. Die man dann heute isst und kurz überlegen muss wie alt die jetzt sind. Ja… gestern erst.

Weil es so viel erscheint,  die Senseo bekommen zu haben. Das Streu hoch getragen zu haben. Und trotzdem versucht hat Sport zu machen, was gestern einfach nicht gehen wollte. Wenn man dafür aber erst mal die Kisten zur Seite geräumt hat, damit man es versuchen kann. Wenn man jeden Tag wieder Kisten  packt und es einem eigentlich gar nicht schnell genug gehen kann. 

Das alles scheint dem Gefühl nicht in knapp 30 Stunden zu passen. Es ist so viel. So viel mehr als früher. Und dennoch freut es sich nicht. Nicht mal, wenn ihm auffällt, dass dies jetzt der dritte verdammt lange Artikel ist der seit gestern geschrieben wurde (1 Entwurf ^^). 

Es geht soviel mehr, aber beim Gefühl ist es irgendwie noch nicht angekommen.

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6 thoughts on “Zeitgefühl.

  1. Aaach, gib deinem Gefühl etwas Zeit und gönn dir die Geduld 😉
    Du machst das toll – irgendwann wird das deinem Gefühl auch noch klar.

    • Ich fürchte nicht… grad breche ich ganz fürchterlich ein. Teilweise aus mir selbst raus… teilweise auch durch außen…das fühlt sich an als würde ich danach noch mal neu anfangen -.-

  2. Ich finde das auch schwierig, Fortschritte tatsächlich wahrzunehmen. Finde es auch dafür sehr praktisch im eigenen Blog nachlesen zu können, wie’s einem so vor einer Weile erging oder mich gelegentlich vom besten Freund aus- (naja, vielleicht eher an-) lachen zu lassen, wenn ich wieder mal mit mir selber unzufrieden bin, weil sich alles nach Stillstand anfühlt und er mich daran erinnert, wo ich vor ein paar Monaten stand.

    Spendier deinem Gefühl doch mal ’nen Kaffee, damit’s mal in Ruhe hingucken kann, welche Sprünge du gerade machst. 🙂

    • Schwierig finde ich, wenn ich dann aus irgendwelchen Gründen einbreche… das wieder reinkommen und es nicht als Rückschritt sehen. Das im eigenen Blog nachlesen klappt leider nicht so gut. Auch wenn es eigentlich genau dafür geplant war… also das Bloggen.. *seufz*

      • Was mir hilft ist, mir endlich zu erlauben, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Das haben ja doch alle, aber für mich fühlte sich das immer direkt nach Katastrophe an, weil ich solche Angst davor hatte, dass es nur wieder der erste Tag von vielen mit Abwärtsspirale ist. Anzuerkennen, dass das gar nicht sein muss (also dass da viele schlechte folgen werden), mich daran zu erinnern, dass es – auch wenn da immer wieder schlechte Phasen dabei sind – seit Jahren zwar sehr langsam vorangeht, dafür aber in die richtige Richtung und es hilft mir auch, daran zu denken (und da hilft mir das Blog sehr), dass ich in den letzten Jahren aus allem doch wieder rausgekommen bin und immer durch meine eigene Kraft. Auch wenn es sich mittendrin nie so angefühlt hat.

        Dieses ‚Zulassen‘ von schlechten Tagen sorgt dafür, dass ich damit entspannter umgehen kann und das birgt immer gute Chancen, dass der nächste Tag (oder manchmal schon der gleiche Nachmittag) wieder deutlich besser aussehen.

        • Mhm… ja. Ich denke auch immer direkt „Jetzt ist vorbei“. Aber ob ich jetzt Samstag einfach wieder normal mit den Tibetern anfange liegt ja durchaus in meiner Macht… *g*

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