1. Arbeitstag…

… oder: Beruf verfehlt.

Heute war es dann so weit. Ich sollte um 10 Uhr in der XY-Str. 27 antanzen. Heute würde man hauptsächlich Papierkram erledigen, mehr nicht. So weit die Informationen die ich hatte.

 Die Weltbeste Ersatzbetreuung hatte sich als Begleitung angeboten und stand pünktlich um 9.30 Uhr bei mir vor der Tür. Im Auto wurde ich auch tatsächlich etwas ruhiger und überlegte kurz ob ich sie überhaupt mit rein nehmen sollte. Ich entschied mich dafür, was im nachhinein die weitaus bessere Idee war. 

Den Raum von dem ich dachte, dass er mein Ziel wäre, fand ich ohne Probleme und war fast schon ein wenig stolz, denn das Gebäude ist ein Irrgarten. Den Namen der Frau die ich brauchte hatte ich selbstverständlich vergessen. Aber auf Nachfrage wurde uns vor zwei Wochen am Telefon gesagt, dass es die Frau wäre die mit ihm ein Büro teilen würde. Das Büro hatten wir nun gefunden, die Frau war allerdings die Falsche. Sehr gut. 

Wir müssten in die YZ-Str., da wäre die Frau die ich suchen würde. Schön. So Fehlinformationen tragen doch dazu bei, dass man sich besser fühlt. Unsicherheit? Ach, Quatsch. Ich weiß gerne nicht Bescheid was als nächstes folgt. Sicher doch. Hab ich nicht eigentlich vorher erwähnt, dass ich sichere Aussagen brauche? *kopfkratz*

Aber mein Ansprechpartner ist ja im Urlaub. Genauso wie die werte D. die immerhin bei den vorherigen Gesprächen mit dabei war und somit bestätigen könnte, ob ich mir etwas falsch gemerkt habe, oder nicht. Aber nein, eigentlich bin ich mir sicher, dass ich genau nach Ansage gehandelt habe… 

Um 10 Uhr sind wir dann in der YZ-Str. und werden auf Nachfrage sogar bis vor die Bürotür geleitet. Nett. Dort hat sich allerdings eine Minischlange gebildet. Man hätte einen Termin für 10 Uhr. Ach, gleich 3 Leute gleichzeitig? Spannend. Wir könnten doch einen Kaffee trinken gehen. Sehr schön. Noch mehr warten. Ein Blick auf ihre Notizen und meine neue beste Freundin haut raus „Ach, sie sind die Ungeduldige? Ja, das hat mein Kollege mir auch schon vermerkt. Warten wollen sie ja nicht.“ Sagt es und geht in ihr Büro. Mir fällt die Kinnlade runter. K. ebenfalls. Auf halben Weg zum Kaffee – ich kämpfe mit den Tränen – öffnet sich die Tür wieder „Das war ein Scherz , Frau Sch.“ Meinen Namen spricht sie falsch aus. Für mich ist das Tag an dieser Stelle vorläufig gelaufen. Die Tendenz einfach eine Kehrtwende zurück ins Bett einzulegen verdammt groß. 

Um 10.30 Uhr kommen wir dann auch mal dran. Heute würde der Papierkram anstehen, ob ich Formblatt A mit hätte. Ähm nein, habe keins bekommen. Sie telefoniert mit dem Amt, füllt umständlich ein Stammblatt aus und vertippt sich gefühlte 100  Mal. Aus Svenja wird Tanja. Irgendwann druckt sie es aus. Arbeitsbezeichnung: „Helferin / Kreatives Gestalten“. „Entschuldigung, das war so nicht abgesprochen.“ Die Tränen sitzen wieder locker. Sehr locker, aber ich hab es immerhin ausgesprochen. „Es war von Verwaltung die Rede. Aber sicherlich nicht im kreativen Bereich.“ – „Wir werden aber sicherlich niemanden am ersten Tag in die Verwaltung stecken. Wir kennen sie ja gar nicht. Das sind sensible Daten.“ Ja, das ist mir klar. Es war ja auch die Rede von Eingewöhnung merke ich an. Aber nicht vom kreativen Bereich. 

Sie merkt an, dass man ja eigentlich gar keinen Platz für mich hätte und der Kollege vllt. einfach nur Mitleid hatte!!!, weil ich unbedingt gewollt hätte und er mich deswegen so dazwischen gequetscht hätte. In den Notizen stünde Kreativbereich und EDV. Auch Verwaltungstätigkeiten. Aber Platz hätten sie da nicht.

Ich weise sie höflich darauf hin, dass ich mich nicht darum gerissen habe jetzt im September anzufangen. Und wenn man erst im Januar Platz für mich hätte, hätte ich halt erst im Januar angefangen. Ein kleiner Hinweis auch auf die Problematik was Absprachen und deren Einhaltung eingeht. Letzteres versteht sie nicht. Bei ihr bleibt nur hängen „Sie wollen etwas anderes. Am besten sofort.“ Dass ich ungeduldig bin und meinen Willen durchsetzen will, darf ich mir im Laufe des Gespräches häufiger anhören.

Trotzdem versucht sie es und ruft in der EDV-Abteilung an. „Die Frau Svü sitzt hier und bricht mir gerade heulend zusammen… angeblich war da von EDV die Rede.. habt ihr Platz?“ Heulend zusammenbrechen? Wäre mir neu. Ja. Angespannt bin ich. Heulen wollen vielleicht auch. Aber sicherlich nicht an dieser Stelle, wenn ich es vermeiden kann.

Sie beschafft mir einen Arbeitsplatz in der EDV. Immerhin. Morgen darf ich da auftauchen. Allerdings um 9.30 und nicht um 10 Uhr. Denn auch die vorher abgesprochenen Arbeitszeiten sind ja nur gewünschte Richtwerte, aber keine Garantie. Ich fange an meinen bisherigen Ansprechpartner zu verfluchen. Was hat er denn noch so erzählt, was im Endeffekt nicht stimmt. Klingt ja gerade fast so als wäre Verwaltung nur ein Lockmittel gewesen…

In meinem Vertrag bleibt Kreativbereich stehen. Man könne die Nummer nicht ändern, würde sonst Probleme bekommen. Ich rechne fast damit, dass in zwei Wochen doch basteln darf….

Theoretisch wäre dann jetzt alles geklärt. Sie tippt weiter umständlich an ihren Formularen und Verträgen rum.

Dann fragt sie was ich gelernt habe, ich rede von Abitur und dem Studium. Sie unterbricht mich mit: „Also Nichts.“ Ja, danke. Ich bin immer noch beherrscht. Tränen sitzen locker, aber fließen nicht. Nicht hier. Echt nicht. „Ja, so gesehen nichts.“ – „Und was studieren sie?“ – „Psychologie.“ 

Sie verdreht die Augen. Wirklich. Nicht mal im Ansatz unauffällig. Ich frage nach: „Ja, bitte?“ Wie ich denn auf diese absurde Idee kommen würde. Was mich da interessieren würde. Meinen Vortrag über Vielfältigkeit und Möglichkeiten des Faches ignoriert sie halb. Ich werde wieder unterbrochen. Wäre für so einen Job doch sicher zu instabil und könnte da sowieso niemals drin arbeiten. Meinen Einwurf, dass ich nicht therapeutisch arbeiten möchte… ignoriert sie. Natürlich. „Ich habe diese Diskussion schon so oft geführt. Ich höre das nicht zum ersten Mal… “ – „Dann sollten sie vielleicht mal auf einen davon hören. Die werden schon recht haben.“ Es dreht sich eine Weile im Kreis. Sie druckt in der Zeit ein fehlerhaftes Stammblatt aus. Ich korrigiere sie. Ich solle auf die vielen Stimmen hören, die mir sagen, dass es Schwachsinn wäre. An die Zukunft denken. „Es gab aber auch andere Meinungen. Dass ich das durchziehen soll.“  – „Die hatten dann keinen Bock auf ihren Job.“ Meine Kinnlade folgt der Schwerkraft. „Ist eine ziemlich einseitige Ansicht, wenn sie sagen dass die Leute die nicht ihrer Meinung sind, einfach keine Lust hatten, oder?“ – „Das ist meine Erfahrung.“ Ach. Nein, wir werden keine Freunde. Niemals. Dann meint sie, sie sagt zu dem Thema besser nichts mehr. Fängt aber 10 Sekunden später wieder von vorne an. Ist klar.  

Welche Diagnosen ich überhaupt hätte. Ich versorge sie mit der Kurzfassung. Wie ich mir damit vorstelle zu arbeiten. Ich reiße kurz an, dass eine Telefonphobie z.B. nichts damit zu tun hat wie ich mit anderen Menschen umgehe. Und das eine mit dem anderen nichts zu tun hätte. Dass meine Problematik viele vereinzelte Bereiche betrifft. Inseln. Aber ich erstens einen großen Fortschritt sehe und zweitens ja auch nicht morgen anfangen müsste zu arbeiten. „Gott sei Dank.“ kommentiert sie. Ich weise noch mal daraufhin, dass mein größtes Problem die Unsicherheit bei Absprachen ist. So wie das heutige Chaos. Sie schmeißt alles in einen Sack und sagt „Das Leben läuft nicht gerade.“ Ja. Danke. Weiß ich. Wie hat das jetzt mit dem Thema zu tun!?

Es folgen in anderen Zusammenhängen noch ein paar Aussagen die mich an ihrer sozialen Kompetenz weiterhin sehr zweifeln lassen. Sensibel wie ein Presslufthammer. Radfahren für Depressive. Ein Angebot. Warum sie da mitgefahren wäre, aber so wenig Teilnehmer. SIE wäre ja nicht depressiv. Sie war es nur danach, weil sie nach 20 Jahren das 1. Mal auf nem Rad saß. Hahaha. Ja, genau. Das ist sicher mit einer Depression vergleichbar. Ich hoffe inständig, dass sie keine Pädagogin ist. 

Zum Abschluss entschuldigt sie sich. Nicht für ihre Aussagen. Nein, Menschen die knallhart die Wahrheit sagen müsste es geben. Erwähnte sie mehrfach. Fast als wäre das ihre Lebensaufgabe. Unsensibel alles ausspucken was sie denkt. Nein, sie entschuldigt sich für die Verwechslung der Arbeitsbereiche. Für etwas wofür sie nichts kann. Nun ja. 

„Sie können mich jederzeit anrufen, wenn es irgendwelche Probleme gibt!“  Sie meinen abgesehen von der Tatsache, dass ich jetzt noch mehr Angst vor der Arbeit habe, als vorher schon?  

Wenn die Hölle zu friert. Dann denke ich drüber nach.

Advertisements

23 thoughts on “1. Arbeitstag…

  1. Svü, ich halte dich für unglaublich tapfer, dafür dass du das überstanden hast und nicht heulend zusammengebrochen bist!
    (Das wäre ich sicherlich innerhalb von Minuten und je eher, je zwingender ich es hätte vermeiden wollen.)

    Zu dieser Frau fehlen mir die Worte. Ufff.

  2. Bewundernswert, dass du es durchgezogen hast und nicht alles wortlos geschluckt hast. Viele wären mit Sicherheit zu eingeschütert gewesen, um auf die Kommentare zu reagieren.
    Ich glaube nicht, dass ich es durchgezogen hätte. Dazu fehlt mir die nötige Ruhe und ich hätte sie mit einem „Penetrieren sie sich ins Knie“ meiner Anwesenheit entledigt. Alle Achtung, Svü.

  3. Heilige Schei*e, was war DAS denn bitte?!
    Ich bin entsetzt!!! Ganz ehrlich schlicht und einfach nur entsetzt!!!
    Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll, mich drüber aufzuregen – also reg ich mich mal über alles komplett auf!!

    Oh Mann, oh Mann – was ein Scheiß!!!

    Aber: du weißt, welche Fortschritte du gemacht hast.

    Und auch wenn ich vor einiger Zeit mich selbst noch skeptisch bzgl. Psychologie geäußert habe, so ist es doch dein Traum und wenn du ihn realisieren kannst und willst, dann tu es. EGAL, was ANDERE sagen!! Jeder kann nur seinen eigenen Weg gehen.

    Und außerdem: Kopf hoch, Nase in den Wind und morgen läuft das besser. Ganz, ganz sicher!!! Jetzt nur nicht den Mut verlieren.
    Das heute ist zwar mehr als übel gelaufen, aber da musst du ja jetzt nicht mehr hin. Also zu ihr.
    Du bist ja woanders und hast mit ihr nix mehr zu tun.

    Ich gebe zu – ich wüsste ja ZU gern, wo du genau gewesen bist.

    Du bist tough genug, um das abzuhaken. Glaub mir. Du schaffst das.

    Daumendrückende Grüße,
    Conny

  4. Wirklich unfassbar. Ich wäre wohl aufgestanden, gegangen ohne ein Wort zu sagen und wäre hinter mir die Tür ztugefallen, ich hätte geweint, wie ein kleines Kind. So was …grrr….

  5. Sehr sympathisch die Dame und ihre Kompetenz und Hilfsbereitschaft ist wirklich herausragend… nein im Ernst, was für eine Kuh o.O
    Besonders die Sache mit dem Studium… dass sie sich nicht vorstellen kann was am Psychologiestudium interessant ist ist irgendwie keine große Überraschung aber sogar der letzte Vollpfosten sollte mitgekriegt haben, wie breitgefächert die beruflichen Möglichkeiten mit abgeschlossenem Psychologiestudium sind.

    • Hallo 🙂

      Tut mir leid, dass ich deinen Kommentar erst so spät freischalte, aber ich hab sie die letzten Wochen hauptsächlich gelesen und nur wenige kurz beantwortet.

      Sie hat sich daran fest gebissen, dass ich mir ja sicher nur selbst helfen möchte. Und eben niemals stabil genug dafür sein werde. Aber das kann mir in jedem anderen Job auch so gehen.

      Habe deinen Blog jetzt überflogen und finde die Comics göttlich. 😀 Direkt mal in die Favoriten mit dir. *g*

      • Hey, freut mich 🙂 Ja, das typische „Psychologen wollen sich nur alle selbst helfen“-Klischee, das immer so gerne nachgeplappert wird… Das schöne ist, dass solche Leute dann meist eingeschüchtert sind wenn sie vor fertigen Psychologen sitzen weil sie die ganzen anderen Psychologen-Klischees auch für bare Münze nehmen^^

  6. Pingback: Seite nicht gefunden « Svüchiatrie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s