Psychologisch.

Über den Sinn und Unsinn von Diagnosen könnte man sicher tagelang diskutieren. Häufig werden sie als „Brandmarkung“ oder „Stempel“ angesehen. Manchmal auch als gefährliche Einbahnstraße. Diese Anmerkungen – und einige mehr – sind mir bereits begegnet. Auch wurde mir vorgeworfen, dass ich mich auf meinen Diagnosen ausruhen würde. Sie als willkommene Ausrede ansehen würde um mich nicht verändern zu müssen. Nichts davon halte ich für auf mich persönlich anwendbar. Ob man nun mit oder ohne Diagnose besser lebt und wie viel Bedeutung man diesen beimisst bleibt jedem selbst überlassen. Ich kann hier nur von mir und meinen Ansichten berichten.

Mir sind Diagnosen wichtig. Sehr wichtig. Nicht um mich damit in eine Schublade zu setzen und darauf auszuruhen sondern um damit zu arbeiten. Ich kann für mich sagen, dass es mir bedeutend besser geht seitdem mein „anders sein“ einen bzw. mehrere Namen hat. Ich bin nicht mehr ein undefinierter „Alien“, sondern im Rahmen meiner Diagnosen völlig normal. Das zu wissen macht es erträglicher „so“ zu sein. Natürlich grenzt es von den „Gesunden“ ab. Aber es wäre meiner Meinung nach auch Verleugnung, es nicht zu tun. Unabhängig vom Namen der Erkrankung bleibt es nun mal Fakt, dass man nicht so ist wie die Norm.(Ob man das nun sein möchte bleibt dahin gestellt ;))

Oft werde ich mit „Was ist schon normal?“ oder „Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“ konfrontiert. Auch darüber könnte man abendfüllende Abhandlungen schreiben. Wichtig ist bei den Diagnose-Kriterien, dass es auch immer um den Leidensdruck geht. Niemand der wirklich mit sich im Reinen ist muss sich krank, anders oder merkwürdig fühlen, nur weil er Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllt. Nur weil er „bluna“ ist. ^^

Ich habe mich kritisch mit meinen Diagnosen auseinandergesetzt und habe sie gewiss nicht einfach so hingenommen. Ich stehe absolut hinter der Aussage, dass ich eine selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeit habe. Nicht im Traum würde ich dies anzweifeln. Allerdings weigere ich mich bis heute das emotional-instabil vollständig zu akzeptieren. Stimmungsschwankungen, ja. Borderline, nein. Auch die histrionische Persönlichkeit empfinde ich als nicht vollkommen zutreffend. 

Ich habe hier die Kriterien der jeweiligen Diagnosen aufgelistet und durchgestrichen was bei mir nicht der Fall ist. Da ich sehr reflektiert bin und wenig davon halte mich selbst zu belügen, habe ich dabei auch nichts beschönigt. 😉

Aktualisierung Juni’12

12/2009 2. Diagnose Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung

• andauernde und umfassende Gefühle von Anspannung und Besorgtheit – Manchmal, also nicht andauernd. Aber phasenweise andauernd. 😉
• Überzeugung, selbst sozial unbeholfen, unattraktiv oder im Vergleich mit anderen minderwertig zu sein – Beim „unattraktiv“ stellt sich halt die Frage, ob ich das nur so empfinde, oder ob 25kg zu viel, eben wirklich unattraktiv(er) sind, ne? 😉
• übertriebene Sorge, in sozialen Situationen kritisiert oder abgelehnt zu werden
• persönliche Kontakte nur, wenn Sicherheit besteht, gemocht zu werden
• eingeschränkter Lebensstil wegen des Bedürfnisses nach körperlicher Sicherheit
• Vermeidung beruflicher oder sozialer Aktivitäten, die intensiven zwischenmenschlichen Kontakt bedingen, aus Furcht vor Kritik, Missbilligung oder Ablehnung
• Überempfindlichkeit gegenüber Ablehnung und Kritik
• (Zurückhaltung in intimen Beziehungen, aus Angst beschämt oder lächerlich gemacht zu werden) – Abklingend. Zumindest zuletzt. Hoffentlich gehts nicht wieder von vorne los.
• nimmt außergewöhnlich ungern persönliche Risiken auf sich oder irgendwelche neuen Unternehmungen in Angriff, weil dies sich als beschämend erweisen könnte

02/2010 3. Diagnose Kombinierte Persönlichkeitsstörung 

(Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung / Emotional-Instabil)

• impulsive Handlungen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen
(Sehr sehr sehr selten… und darunter leide ich eigentlich nicht ^^)
• häufige, unvorhersehbare und launenhafte Stimmungsschwankungen (häuft sich jetzt ohne Medikation wieder)
• Neigung zu intensiven und (instabilen) Beziehungen – *seufz*
• oft mit der Folge emotionaler Krisen – *noch mal seufz* Aber immerhin sind die nur kurz. *hust*
• Störungen und (Unsicherheit bezüglich des Selbstbildes , Zielen und inneren Präferenzen) – Mhm. Eigentlich bin ich mir sicher. Nur nicht ob das gesellschaftsfähig ist… und ob ich mich traue das so durch zu ziehen. Denke ich.
• anhaltendes Gefühl der Leere
 heftige Zornesausbrüche mit teilweise gewalttätigem Verhalten gegen andere oder gegen sich selbst
• autoaggressive Verhaltensweisen (Man könnte jetzt drüber streiten, ob meine Gedanken da schon zu zählen.)
• mangelnde Impulskontrolle
 Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und Konflikten mit anderen
• große Angst vor dem Alleinsein
• ausgeprägte Trennungsängste, Verlustängste
(beides würde ich eher im Zusammenhang mit der irrationalen Angst vor Ablehnung sehen)

06/2010 Korrektur der 3. Diagnose Kombinierte Persönlichkeitsstörung

(SU-V Persönlichkeitsstörung / Histrionische Persönlichkeitsstörung)

• Übertreibung, theatralisches Verhalten, Tendenz zur Dramatisierung – Aber man weiß immer wie es gemeint ist. 😉
• Oberflächlichkeit
• labile Stimmungslage
• zeigt rasch wechselnden und oberflächlichen Gefühlsausdruck
• erhöhte Kränkbarkeit
• leichte Verletzbarkeit der Gefühle
• übermäßiges Interesse an körperlicher Attraktivität 
• hohes schauspielerisches Talent, für viele Lebenslagen eigene Rollen, die sie perfekt über die Bühne bringen, um sich in der jeweiligen Situation am besten darzustellen
• Tendenz zu lügen, erfinden besonders extreme Geschichten oder selbst erlebte Abenteuer
• andauerndes manipulatives Verhalten
• von ihrem Umfeld werden diese Personen manchmal als unglaubwürdig eingeschätzt

• Suggestibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch andere oder durch Ereignisse (Umstände)
• setzt regelmäßig seine körperliche Erscheinung ein, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken (Ich sage nein, unterstellt wurde es mir schon. *grübel*)
• Egozentrik und Selbstbezogenheit, dauerndes Verlangen nach Anerkennung
• ständige Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die Betreffenden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen
• fühlt sich unwohl in Situationen, in denen er/sie nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht (Jein. Also ja, aber mit Aufmerksamkeit und Mittelpunkt komm ich auch nicht klar ;))
• Aufmerksamkeitsdefizit stellt eine extrem bedrohliche Situation dar, da Betroffene sich plötzlich völlig hilflos und ausgeschlossen fühlen
• oftmals greifen diese Betroffenen zu drastischen, fast gewollt schockierenden Mitteln, die unter Umständen gefährlich oder abartig sein können
• die Interaktion mit anderen ist oft durch ein unangemessen sexuell-verführerisches oder provokantes Verhalten charakterisiert (Wurde mir auch schon unterstellt… ich zweifel es an.)
• hat einen übertrieben impressionistischen, wenig detaillierten Sprachstil 
• fasst Beziehungen enger auf, als sie tatsächlich sind

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16 thoughts on “Psychologisch.

  1. huhu
    ist die ÄV PS nicht das gegenteil von histrionisch?? oder ist das doch ähnlich?
    ich habe nur ÄV PS

    LG

    ps dein blog ist toll zu lesen, hab den erst gefunden und werd dich weiter verfolgen

    • Willkommen 🙂

      Also ich bin jetzt natürlich nicht die Expertin, aber ich würde sagen, dass sich Persönlichkeitsstörungen nie wirklich ausschließen. Mir sind schon die „tollsten“ Kombinationen begegnet. Ich kann von mir sagen, dass ich die hier aufgeführten Merkmale definitiv aufweise.

      Diagnostiziert wurde mir bisher 3x selbstunsicher-ängstlich vermeidend (2008, 2009, 2010), und 1x jeweils emotional-instabil (2009) und histrionisch (2010).

      Freut mich, dass es dir hier gefällt 🙂

  2. die tollste Diagnose in der Richtung hab immer noch ich 🙂

    Emotional instabil (ja hallo ich bin bipolar NATÜRLICH bin ich emotional instabil) und schizoide (Was?!? Nur weil ich Rollenspiel mache? Die spinnen doch) aber Papier is ja geduldig ^^

  3. Meinen Eltern wurde, als ich ca. 6 Jahre alt war, gesagt ich sei ein sehr individuelles Kind und das sei für Eltern immer schwer. Heute hab ich u. A. die Diagnose: akzentuierte Persönlichkeit.
    Ich finde das deckt sich und da ich so offensichtlich schon auf die Welt kam, stehe ich dazu. Das ist keine Krankheit, sondern so bin ich 😉
    Manchmal nur eine Frage der Interpretation.
    Die beste und schönste Diagnose nutzt leider niemandem etwas im Umgang damit und dem Betroffenen.
    Lieben Gruss sue

    • Willkommen 🙂
      Wie haben deine Eltern das aufgefasst?

      Einer der Ärzte in der Klinik sprach auch lieber von „Akzentuierung“ als „Störung“. Im Grunde macht das ja auch keinen Unterschied, sondern nimmt nur den negativen Beigeschmack. Krankheit wird es halt ab dann, wenn es einen belastet. Ich schätze, wenn man mich von Anfang an so akzentuiert wie ich bin, gefördert hätte, dann wäre ich jetzt auch nicht krank.

  4. Meine Eltern waren von Anfang an mit mir überfordert und haben nie wirklich verstanden mit wem sie es zu tun haben. Die Aussage der Erziehungsberatung hat ihnen nicht geholfen. Dass es schwer mit mir ist, wußten sie ja schon. Sie haben es sich aber auch selbst schwer gemacht und mir auch.
    Eigentlich ist ´akzentuierte Persönlichkeit´ keine Diagnose oder Bezeichnung eines Krankheitsbildes. Du hast völlig recht, dass manches erst dann eine ´Krankheit´ ist, wenn man darunter leidet. Ich habe nicht darunter gelitten und kann mich damit gut identifizieren.
    Meine Freunde kennen mich nur so und wer mich nicht mag, kann mir gerne aus dem Weg gehen.
    Entscheidendes darüber gelernt und erkannt, habe ich allerdings auch erst in den letzten Jahren und vor allem, als ich mal schwer depressiv und deshalb auch stationär war. Die Depression hatte nichts mit diesen Dingen zu tun und hatte auch viele Anteile eines Burn Out, hat mich aber vieles erkennen und verstehen lassen.
    Wenn Du magst, schick mir doch mal eine Mail, ich würde Dir vielleicht auch noch ein paar Dinge erzählen, die ich nicht öffentlich schreiben möchte 😉 oder die einfach für hier, viel zu lang wären.

    Lieben Gruss sue

  5. Hello Süße,
    also wenn wir alle ehrlich sind, sind wir weitaus normaler als die „normalen“….ich leide unter depressiven Phasen, aber mal ganz im ernst: die meisten Menschen die ich kenne, die meine Scheisse erlebt hätten, hätten sich längst die Kugel gegeben….also an all die „normalen“ da draussen: ihr seid nicht normal, so etwas gibt es nicht!!!!!!!!!!!Wir sind alle wer wir sind weil wir erlebt haben was wir erlebt haben und weil wir gelernt haben damit umzugehen wie wir damit umgehen. Ohne meine Vergangenheit wäre ich heute nicht der wunderbare Mensch der ich bin. Und nein, ich bin nicht arrogant, ich mag mich nur mittlerweile. Bleib wie du bist, deine Seite ist toll, ich will einen Phönix auf meinem Rücken. So lange du dich magst ist doch scheissegal was die anderen denken, letztlich bist du die Einzige die dich aushalten muss. Alles Liebe für dich, Emilia

    • Mhm… ich würde nicht so weit gehen um mich normaler zu nennen… Ich weiß jetzt auch nicht wirklich was es ist… aber irgendwie stößt mir der Kommentar sauer auf… auch wenn ich mir sicher bin, dass du ihn lieb gemeint hast 🙂 Wenn mir einfällt was es ist werde ich es noch mal schreiben 🙂

  6. Die Abkürzung SUV PS gefällt mir sehr =)

    Offenbar scheinen die Diagnose-Korrekturen überflüssig gewesen zu sein, da ja immer weniger zutrifft °_0

    Um es mal mit den Worten einer *expertin* zu sagen: Diagnosen sind nötig für den Patient um daran arbeiten zu können und wichtig für die Klinik um sie abrechnen zu können. Oft passen sie nicht genau zum Patienten, manchmal wie „Arsch auf Eimer“

    Manchmal haben die Menschen einge gewisse Persönlichkeitsstruktur, aber eine andere Störung. Und manchmal führen diese ganzen Test zu keinem eindeutig interpretierbaren Ergebnis.

    Wichtig ist der Leidensdruck, der Wille daran zu arbeiten und im Besten Falle die Kenntnis über das Problem, welches gerade im Vordergrund steht. ISt meine Meinung.

    • Willkommen 🙂

      Schön, dass du her gefunden hast… ich finde dich ja vom lesen her schon sympathisch, ne? *g*

      Nun ja… es schwankt. Jetzt nach dem Absetzen der Medikamente könnte ich das auch wieder aktualisieren… und ein wenig mehr angeben. Vllt. hätte ich auch mal nen Screen machen sollen um das vergleichen zu können.

      Ja… deine „Expertenmeinung“ gefällt mir. So sehe ich das auch. Ob ich das jetzt auch so formuliert habe müsste ich noch mal nachlesen. Vermutlich aber eher nicht. *g*

      Die Idee mit Parkour für psychisch Kranke finde ich übrigens sehr gut. Sowas wäre als Bewegungstherapie viel angebrachter als Völkerball… ^^

  7. Es gibt ja nicht mal eine einheitliche Definition: was jetzt genau eine Persönlichkeitsstörung ist…und es ist auch klar, dass kein Mensch in ein Schema F passt , denn hinter bestimmten maladaptiven Verhaltensweisen liegt ja immer eine bestimmte persönliche Geschichte. (Deswegen sind Persönlichkeitsstlörungen auch nur Idealmodelle. Es gibt kaum solcher ganz eindeutiger Musterpatienten) Leider ist diese Form der mehrfach Diagnoseauflistung aber Mode geworden und Patienten bekommen dann bis zu 5 verschiedene Persönlichkeitsstörungen, obwohl man weiß, dass viele nur ein paar Kriterien aus dem Katalog erfüllen. Dass dieses System Unsinn ist, haben aber auch Psychiater selbst erkannt. Im DSM V wurde das grundlegend überarbeitet. (Lustigerweise finden viele es aber gar nicht toll, dass ihre Persönlichkeitsstörung abgeschafft wird. Neben den im Link aufgelisteten Veränderungen soll das Asperger-Syndrom auch abgeschafft werden, da man es nicht vom „high-functioning Autismus“ unerscheiden kann):
    http://www.schizoide-persönlichkeitsstörung.de/dsm-v/index.html
    Man kann erwarten, dass Änderungen auch ins ICD 13 einziehen werden. Viele plädieren auch für die Abschaffung des Wortes Persönlichkeitsstörung, weil es zu diffamierend ist…Wobei man ja die Soziopathie durch dissozial ersetzt hat und das hat rein gar nichts genützt….Im Allgemeinen wäre es ein Fortschritt, wenn man eine Sprache findet , die weniger pathologisiert und verurteilt…

    • Ja… das kombinierte hätte man sich wohl sparen können. Zumal es ja immer nur ein paar Punkte waren. Vor allem Punkte die auch „normale“ Menschen immer mal so haben können.. Einer meiner Ärzte in der Klinik hat auch immer „Akzentuierung“ statt Persönlichkeitsstörung gesagt. Klingt in der Tat besser 🙂

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